ZS #5/09 - 23.10.2009
Soweit ists also schon gekommen! Gleich mehrere von diesen Gummihälsen haben sich bei uns zur freien Mitarbeit gemeldet. Sie liessen sich offenbar auch durch den Aufkleber «Deutsche Raus!», der bei uns an der Rämistrasse 62 an einer Tafel klebt, nicht abhalten. Tatsächlich mussten wir die Redaktionssitzung mit unseren Freien Mitarbeitenden in hochdeutscher Sprache halten! Sie traten (zu spät natürlich!) in unsere Redaktion und stellten sich als die «Elite-Studierenden» vor, die «im neuen StudentHostel» (ZS #4/09, Stefan Fischer) wohnen. Und was wollen die jetzt hier? Uns unterwandern? Schlimm! – Wirklich schlimm? – Ich finds super! Selbst wenn ich damit Gefahr laufe, von Herrn Köppel als einer der «gefährlichen Gaddafis» (Gastbeitrag, S. 23) beschimpft zu werden. Die vielen Ideen und angeregten Diskussionen taten uns gut. Sie zeigen uns «reservierten Schweizern», dass sie sich im Erasmusprogramm nicht anders verhalten, wie wir das wohl auch tun würden (S. 24 – 27).
Ohnehin ist diese «sie und wir»-Formulierung vollkommen verfehlt. Auch wenn für das «Wir»-Gefühl der Schweizer seit der Qualifikation für die Fussball-Weltmeisterschaft eine rot-weisse, sich betrinkende und in den Armen liegende Einheit sorgt. Aber Zürcher haben doch mit den Gummihälsen sicher mehr gemein als mit der Mafia auf der anderen Seite des Gotthards. Und sowieso, ich verstehe jeden Schwaben besser als jemanden aus den Walliser Bergen. Wir sollten uns auf Gemeinsamkeiten und nicht Gegensätze besinnen. – Langweiliges Fazit, nicht? Aber keine Angst, ich bin weiterhin für polarisierende Texte von Stefan Fischer oder Roger Köppel. Eine zu brave und einseitige Berichterstattung schickt sich nicht. Auch nicht für die ZS, «in der nur Dreck steht» (S. 8).
Corsin Zander, Redaktionsleitung
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