Verloren im Online-Dschungel
Um im unübersichtlichen E-Learning-Angebot der Uni den Durchblick zu wahren, wünschen sich Studierende eine Konzentration und Zusammenstellungen der digitalen Lernhilfen.
Wer Philosophie und in den Nebenfächern Wirtschaft und Ethnogie studiert, führt in Sachen E-Learning das Leben eines Nomaden. Für die Übung in der Philosophie muss er sich in das Programm Logik-Gazette einloggen, die Unterlagen zur Wirtschaftsvorlesung kann er auf der Plattform OLAT herunterladen und die Texte zum Ethnologieseminar kriegt er nur auf der Plattform BSCW.
Um die Zufriedenheit der Studierenden mit dem vielfältigen Angebot zu erforschen, führte das E-Learning-Center der Uni Zürich dieses Jahr eine kleine Untersuchung durch. In der Befragung der Studierenden kam ein deutlicher Befund zutage: Das E-Learning-Angebot sei unübersichtlich und auf zu viele Plattformen verteilt, ärgerten sich viele Befragten. Wenn möglich, solle alles auf die zentrale Lernplattform OLAT geladen werden. Zudem wurde der Wunsch geäussert, dass die Fakultäten eine übersichtliche Zusammenstellung ihrer E-Learning-Angebote publizieren sollten. «Ich finde es mühsam, dass jede Fakultät und jedes Institut anders gestaltete Internetseiten haben und andere Angebote zur Verfügung stellen», wird im Bericht eine exemplarische Antwort zitiert.
Dem Wunsch der Studierenden, möglichst viele E-Learning-Angebote in die Standard-Plattform OLAT zu integrieren, versuchen die E-Learning-Verantwortlichen der Uni schon länger nachzukommen. «Die Uni und die Fakultäten unterstützen nur noch E-Learning-Angebote, welche im OLAT angesiedelt sind», sagt Eva Seiler-Schiedt, Leiterin des E-Learning-Centers der Uni Zürich. Ausnahmen gebe es nur, wenn OLAT die Funktionen, welche ein E-Learning-Angebot bieten soll, nicht erfüllen könne. Dies sei aber nur bei wenigen Programmen der Fall.
Beliebtheit versus Bedenken
Die einfach zu handhabende Plattform OLAT erfreut sich bei den Lernenden grosser Beliebtheit – 18’000 der 23’000 Uni-Studierenden sind registriert. «Auch mehr und mehr Dozierende sehen die Vorteile und Möglichkeiten von OLAT», weiss Thomas Bernhart vom Support-Team der E-Learning-Koordinationsstelle der Philosophischen Fakultät. Dass einige Dozierende aber von der Plattform nicht ganz so leicht zu überzeugen sind wie die Studierenden, verneint er nicht. «Eine Lehrveranstaltung mithilfe von OLAT durchzuführen erfordert – vor allem beim ersten Mal – einen gewissen Zeitaufwand, weil viele Funktionen erlernt werden müssen.»
Übersicht nur bei den Theologen
Die E-Learning-Koordinatoren, welche auf Fakultätsebene den Instituten bei der Umsetzung von elektronischen Lernangeboten helfen, versuchen in ihrer Arbeit auch, die Vorteile von OLAT zu erklären. «Mittlerweile schätze ich, dass rund 90 Prozent der E-Learning-Programme in unserer Fakultät im OLAT integriert sind», schätzt Christian Schorno, stellvertretender Leiter der E-Learning-Koordinationsstelle der Philosophischen Fakultät, in welcher wegen der vielen Fachrichtungen wohl die grösste Ansammlung an elektronischen Lernhilfen vorhanden ist. Die Forderung der Studierenden, Übersichten über die E-Lernangebote zu erstellen, hat bisher aber nur die kleine theologische Fakultät verwirklicht.
In der philosophischen Fakultät, in der dies mit Sicherheit am Nötigsten wäre, sieht man diese Forderung als weitgehend erfüllt an. «Die E-Learning-Angebote auf Fakultätsebene sind bereits im OLAT-Katalog und im Vorlesungsverzeichnis erfasst und aufgelistet», sagt Schorno. Nächstes Jahr werde zudem eine Plattform geschaffen, welche den Studierenden veranstaltungsübergreifende Projekte, beispielsweise den Vokabeltrainer NABU, vorstelle. Ob das wohl Übersicht genug ist?
