Brief aus Kalifornien
Hansjakob Hefti war ein Tramper in den 60er-Jahren, Lukas Eckhardt ist es heute. Beide finden: Autostoppen ist die billigste und abenteuerlichste Art zu reisen. Nur brauche es heute mehr Geduld.
Nach 13-wöchigem Studium der Materie an den besten Schulen auf Guadeloupe und in San Diego machte ich mich auf, das legendäre Gold Kaliforniens zu finden. Um das Gelingen des Unterfangens sicherzustellen, liess ich eine dreiköpfige Delegation Experten aus der Schweiz einfliegen. Noch am Abend, an dem die freundschaftliche Unterstützung in der Stadt der Engel eintraf, fand eine erste Besprechung zum bevorstehenden Abenteuer statt.
Nach ausreichend Schlaf nahmen wir Kurs Richtung Westen. In der Geisterstadt Calico erkundeten wir wiederbelebte Saloons genauso wie eine stillgelegte Silbermine. Leider blieb der Fund eines Edelmetalls aus. Also machten wir uns auf nach Las Vegas. Wenn nicht dort, wo sonst sollten wir den erhofften Reichtum finden? So gross jedoch unsere Erwartungen waren, noch viel grösser war die Ernüchterung. Von den Lichtern der Spielautomaten geblendet und von der Nacht mit Augenringen gebrandmarkt, gelangten wir erst zwei Tage später zur Erkenntnis, dass die einarmigen Banditen zwar Metalle schlucken, solche hingegen nur ungern ausspucken.
Mit frischen Kräften, die Erfolglosigkeit verdaut, gab es für uns nur noch ein Ziel: San Francisco. Wir fuhren zurück an die Küste und folgten in gemächlichem Tempo dem Highway One in Richtung Norden. Die spektakulären Steilküsten liessen uns unser eigentliches Ziel beinahe vergessen, doch schliesslich erreichten wir die weltberühmte Golden Gate Bridge doch noch. Auf uns wartete jedoch weder ein goldenes Tor noch Gold dahinter.
Enttäuscht und ausgelaugt traten wir den steinigen Rückweg nach Los Angeles an. Dort angekommen steckten wir einmal mehr unsere hängenden Köpfe in einer Bar zusammen, als unsere Augen plötzlich zu glitzern begannen. Gold strahlte uns entgegen! Es war uns die ganze Zeit präsent, doch sein unbeschreiblicher Glanz hatte uns so sehr geblendet, dass wir blind herumirrten. Es war die grösste Erkenntnis seit Einsteins Relativitätstheorie. Budweiser, das Gold ist flüssig, kühl und trinkbar geworden! Der Goldrausch hatte einmal mehr begonnen.
Kommentare:
Bisher hat niemand diese Seite kommentiert.
Dein Kommentar:
RSS Feed für die Kommentare auf dieser Seite | RSS feed für alle Kommentare
Anmelden
Mehr aus dieser Ausgabe
- Es sind Wahlen und keiner geht hin
- Wer kennt diesen Mann?
- Userinnen statt Studentinnen
- Gut gekleidet ist halb gewonnen
- Ein paar Jahre für die Karriere
- Das System hat immer Recht
- «Lockerheit ist keine Tugend»
- Kleistern gegen die Zivilisation
- Duell: Gürtellinie
- Duftsäckchen
- Seitensprünge
- Staind
- Sorgenbox
- ETH Big Band
- Die deutsche Kochschau
- Ach du studierst Architektur?
- Daumen hoch und ab die Post
- Brief aus Kalifornien
- Absätze
- Kaffeepause mit Pasquale della Corte
- Der lange Marsch zum Mittagsschmaus
- Kulinarische Perlen über Mittag
- Auge in Auge mit dem Mammut
- Sprachreise nach Paris zu gewinnen!
- Patti Smith: Dream of Life
