Scary Story
Das Kleingedruckte zu spät gelesen? Schlecht behandelt worden vom Chef? Die Rechtsberatungskommission hilft. Ganz nach dem Motto «von Studierenden für Studierende».
Es ist Herbst. Zürich ist weniger grün (nicht politisch gemeint) und die Tage werden kürzer. Der Bürokrat entgegnet, der Tag habe weiterhin 24 Stunden. Deshalb auch die Bologna-konformen Präsenzzeiten. Auf jeden Fall werden die Nächte aber länger.
Paradoxerweise kommen die Studierenden trotzdem nicht zu mehr Schlaf. Durch die Evolution sind die meisten Studierenden nachtaktiv.
Auch ich reibe mir noch den Schlaf aus den Augen, da reibe ich auch schon aus Verwunderung. Denn vor mir steht tatsächlich ein Klient und erklärt mir: «Ich mache mir grosse Sorgen. Seit den ersten Wochen des Semesters sind zahlreiche Studierende spurlos verschwunden. Statistiken zeigen eine klare Korrelation zwischen der Studierendenzahl und Halloween. Ich vermute, da ist ein gruseliges Experiment misslungen und die Studierenden werden jetzt von einem schwarzen Loch aufgesogen.»
Er fordert mich auf, am Abend an der ETH nach dem Rechten zu sehen. Dafür gewährt er mir einen Vorschuss. Mir solls recht sein. Das einzige Loch, um das ich mir Sorgen mache, ist das Loch in meiner Geldbörse.
Zwar ist die ETH bereits tagsüber gruselig, schon allein wegen den ASVZ-Foltermaschinen, dem Mensaaufpreis und dem Kantönligeist. Trotzdem nehme ich all meinen Mut zusammen und streife abends durch die verlassenen Gänge. Dass das Anschauungsmaterial der Mediziner im Irchel untergebracht ist, beruhigt mich wenig.
Denn die ETH hat bestimmt ihre eigenen Leichen im Keller. Die Dunkelheit regt meine Fantasie an. Ich befürchte, jederzeit von hungrigen Monstern angegriffen zu werden. Dann merke ich aber, dass einzig die Legi-Validierungsautomaten gefrässig wirken. Mit dem Campus-Girls-Kalender, den ich zufälligerweise dabei habe, lassen sie sich aber nicht füttern. Ist wohl zu geschmacklos. Auch den Flyer für die Halloween-Party verschmähen sie.
Und genau da liegt letztlich wohl auch der wahre Grund für die Abwesenheit der Studenten. Nicht bei den hungrigen Maschinen, sondern vielmehr beim Kausalzusammenhang zwischen Party und Absenz.
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