Ein Tropfen auf den falschen Stein

Von Stefan Fischer, 14. September 2009

Die Stiftung für Studentisches Wohnen hat das «StudentHostel» eingeweiht. Warum davon nur eine studentische Elite profitiert und sozial schwache Studierende auf der Strecke bleiben.

  • Das «StudentHostel» in Altstetten. (Bild: SSWZ)

Das neu eröffnete «StudentHostel» hinter dem Bahnhof Altstetten fügt sich unauffällig in die Umgebung ein. Die Zimmer und Gemeinschaftsräume sind eher eng, aber funktional. Das Wohnheim soll die Wohnungsnot bekämpfen und ausländischen Studierenden Platz bieten. Eigentlich ein lobenswerter Zweck, doch der Schein trügt. Dies bewies die Eröffnungsfeier. Diese erfreute vor allem die Bewohner des gegenüberliegenden Altersheims und die Politiker. Das Rahmenprogramm mit kulinarischen Genüssen aus der ganzen Welt und rassigen Flamencotänzerinnen begeisterte. Die Ansprachen allerdings nicht. Stadträtin Ruth Genner bezeichnete das «StudentHostel» als Vollendung von Bologna. Es ist zwar richtig, dass Bologna die Mobilität fördern sollte, doch wird dies mit ein paar Zimmern nicht erreicht. Ob die ETH-Absolventin das Bolognaprojekt wirklich kennt, ist zu bezweifeln. So sprach sie beispielsweise wiederholt von ETCS-Punkten. Auch VSETH-Präsident Daniel Stuber griff tief ins Fettnäpfchen. Er bestritt das Bedürfnis an zusätzlichem Wohnraum für reguläre Studierende. Früher oder später finde man schon was.
Das Highlight der Referenten war Pfarrer Roduner. Mit einem trägen «Liebi Fäschtgmeind» und der Überreichung eines Fussabtreters holte er die Anwesenden wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Aber die schönen Worte täuschen, klare wären notwendig: Es geht hier nicht um Wohnungsnot, sondern um die Profilierung der Hochschulen und die Privilegierung einer Elite. Die 166 Zimmer für Mobilitätsstudierende werden von den Hochschulen disponiert. Diese haben das Projekt auch gefördert und zwar aus einem Grund: Für internationales Renommée bedarf es zunehmend der Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen, namentlich gemeinsame Studienprogramme. Um solche anbieten zu können, benötigt man allerdings zugesicherten Wohnraum für die Studierenden. Von diesen Studienprogrammen profitieren diejenigen Studierenden, die genügend Zeit haben, die besten Noten zu schreiben und nicht selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen müssen. Gerade diese Studierenden sind jedoch nicht auf günstige Zimmer angewiesen.

Hurra! Ein Hostel eröffnet!

Auch in seiner Wirkung auf den Wohnungsmarkt verfehlt das «StudentHostel» sein Ziel: Kurzfristig kommt es wohl zu einer leichten Entspannung. Mittelfristig wird Zürich aber noch attraktiver für Mobilitätsstudierende; ein erklärtes Ziel der beiden Hochschulen. Auch sonst steigen die regulären Studierendenzahlen weiter. Somit nimmt der Bedarf an günstigem Wohnraum weiterhin stark zu. Dieses Bedürfnis kann dann aber aufgrund der fehlenden Mittel nicht mehr befriedigt werden. Darunter leiden vor allem Studierende aus «sozial schwachen» Schichten. Aber Hurra! Wir haben das erste «StudentHostel» eröffnet!

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StudentHostel in Altstetten

Kommentare:

  • Sicher war das standige Wiederholen, dass das Studenthostel ein wichtiger Schritt für Bologna sei ein Thema für sich in den Ansprachen (um die Mobilität zu verbessern bräuchte es anderes.....) Und absolut ja, es braucht dringend mehr Wohnraum.
    Aber: Als Mitglied des Woko-Vorstandes solltest du wisse, dass daran gearbeitet wird und du solltest wissen, dass es nicht die Hochschulen sondern die Zimmervermittlung ist, welche die Zimmer disponiert.
    Zudem sollte dir als ehemaliger StuRa-Präsident bekannt sein, dass man bei gewissen Austauschprogrammen nicht arbeiten darf (man hat ja auch nicht mal die B-Bewilligung) und die Eltern für den Austausch aufkommen müssen (oder das zuvor ersparte) und darum solche Zimmer dringest notwenig sind!
    Kika , 05.10.09 (vor 3 Jahre) Antworten
  • Hurra! Hier ist er wieder: Der endlose Futterneid einer ganz speziellen Elite.

    Zur Sensibilisierung des Autors für die Belange ausländischer Studierender sei das folgende gesagt:
    Ausländer haben auf dem Zürcher Wohnungsmarkt extrem schlechte Karten, wenn sie nicht
    1) Deutsch (oder noch besser Schweizerdeutsch) sprechen
    2) mindestens eine B-Aufenthaltsgenehmigung vorweisen (die NIE für Austauschstudenten vergeben wird)
    3) nur für einen kurzen Zeitraum (ein oder zwei Semester) einziehen
    4) einen Auszug aus dem Betreibungsregister vorweisen (der NICHT erhältlich ist für Menschen, die noch nicht im Land leben)
    5) über dasselbe Einkommensniveau verfügen wie ein Schweizer Bürger (Zur Erinnerung: Die Schweiz hat eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt!)
    6) vor Ort sind, um sich um eine Wohnung bemühen zu können.

    Daher ist die Eröffnung des StudentHostels in der Tat nur ein Tropfen – allerdings auf den heissen Stein, und nicht auf den falschen. Bezahlbarer Wohnraum ist ein Bedürfnis aller – nicht nur der lokalen Studentenschaft – vor allem aber derer, die weniger Chancen auf Wohnraum haben als andere.

    Die Einrichtung des StudentHostels ist also zu begrüssen – es ist mitnichten ein Prestigeobjekt der Hochschulen, sondern angesichts der derzeitigen Wohnungssituation eine zwingende Notwendigkeit und zudem eine grosse Geste der Gastfreundschaft in einem Land noch immer vorherrschender latenter Fremdenfeindlichkeit.
    Niklas Schirmer , 23.09.09 (vor 3 Jahre) Antworten
  • Lieber Stefan
    Die gemischten Gefühle bei den Einweihungs-Ansprachen sind Deine Sache. Und Du hast mehr als Recht mit dem Hinweis, dass noch lange nicht genug Wohnraum für Studierende bereit steht.
    Aber deine Einschätzung zum Student Hostel kann ich als Woko-Präsident nicht teilen: Die Angebote im Jugend- und Studiwohnen sind kommunizierende Gefässe. Wenn Wohnraum für mobile Studierende geschaffen wird, senkt dies den Druck auf andere Wohnmöglichkeiten - und kommt so Allen zugute.
    Zudem: Auch Schweizer Studierende absolvieren Ausland-Semester und sind dann auf Wohnraum angewiesen. Warum sollten ausländische Studierende bei uns nicht Gegenrecht erhalten? Das Student Hostel dient genau diesem Zweck und ist deshalb räumlich knapp disponiert.
    Die Woko ist wie Du der Überzeugung, dass für alle Studierenden in Zürich mehr preiswerter Wohnraum geschaffen werden muss und verfolgt, wie die SSWZ (Stiftung für studentisches Wohnen), mit aller Energie dieses Ziel.
    Daniel Kurz , 21.09.09 (vor 3 Jahre) Antworten

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