Wenig Geld heisst langes Studium
Ein grosser Teil der Studierenden ist zufrieden mit Bologna. Dies sind die Ergebnisse einer ersten grossen Umfrage. Der Teufel steckt aber im Detail.
Über die jüngste Studienreform wird genauso viel geflucht, wie gelobt. Verschulung, Überreglementierung und Starrheit sind nur einige der Vorwürfe, die kolportiert werden. Nun liegen erstmals Resultate einer grossen Studierendenumfrage vor: Im Durchschnitt sind 80 Prozent zufrieden mit der Organisation ihres Studiums. Betrachtet man die Studie im Detail, sieht das Ergebnis allerdings nicht mehr so rosig aus.
Starr und unnütze Obligatorien
Durchgeführt wurde die Studie im Auftrag der CRUS (Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten) und der beiden Studierendenverbände VSS und VSH. Fast 5000 Studierende aus zwölf Schweizer Universitäten beantworteten einen Fragebogen über ihre jeweiligen Studienbedingungen. Die Umfrage enthält einige interessante Zahlen. So glauben nur 60 Prozent, ihr Studium innerhalb der normalen Frist abschliessen zu können. Von den Studierenden, die regelmässig arbeiten, glaubt dies nur noch rund die Hälfte. Grosse Differenzen zeigt die Studie beim Arbeitsaufwand in Stunden pro ECTS-Punkt. Während technische Wissenschaften über 30 Stunden pro Punkt angeben, investieren andere unter 25 Stunden. Mit der Gestaltung des Studiums sind längst nicht alle zufrieden. Die Hälfte der Befragte ist der Meinung, dass nicht alle Kurse aus dem Pflichtprogramm nützlich sind. Etwa 40 Prozent finden den ganzen Studiengang zu starr. Und eine von drei Personen vermisst wichtige Veranstaltungen. Bei den Prüfungen kommts noch schlimmer: 56 Prozent sind der Ansicht, dass das jetzige System keine Überprüfung des erworbenen Wissens erlaubt.
Verbände sind alarmiert
In einer gemeinsamen Presseerklärung halten VSH und VSS fest, dass mit dieser Umfrage nicht alle offenen Fragen beantwortet würden. Die Ergebnisse seien höchst bedenklich und zeigten ungelöste Probleme bei der Organisation der Studiengänge. Die Reform derselben stecke ebenfalls noch in den Kinderschuhen. Die Verbände verweisen ausserdem auf grosse Hindernisse bei der Mobilität. Besonders erschreckend sei die soziale Dimension von Bologna. Arbeitende Studierende seien klar benachteiligt und müssten ein längeres Studium in Kauf nehmen. Die beiden Verbände fordern deshalb eine periodische Wiederholung der Umfrage. Sie wollen sich ausserdem an der Umsetzung von Bologna konstruktiv beteiligen.
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