Loser tragen T-Shirts
Epic Bitch Rock und melodiöse Elektrobeats. Pünktlich zum Semesterbeginn findet am 26. September im StuZ2 die legendäre ZS-Party statt. Wer sich also dem Studienalltag noch nicht völlig ergeben will, der ist bei diesem Event genau an der richtigen Adresse.
Männer tragen Hemd oder Polo. Weicheier tragen T-Shirts. Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Metaphern für die Diskrepanz zwischen dem edlen Kleidungsstück und den kunterbunt bedruckten Baumwolllappen zu bemühen, ist nicht schwer: reich und arm, urban und ländlich, in und out, hochentwickelt und primitiv, Elite gegen Proletariat. Wer Hemden trägt, beweist Klasse sowie feines Gespür für Mode und Zeitgeist. Wer einen Vorlesungssaal betritt, kann die Hörer sofort in verschiedene Klassen einteilen. Streber (Hemd), Elite (Hemd), Exzentriker (irgendwas), ewige Studenten (T-Shirt), Phil-1-Nebenfächler (T-Shirt) und weitere Randgruppen, ebenfalls meistens mit Shirt. T-Shirts symbolisieren Ungepflegtheit und Sorglosigkeit. Das manifestiert sich schon in der Pflege. Während T-Shirts gewaschen und gleich wieder getragen werden, erfordert ein Hemd Pflege. Ohne Bügeleisen läuft nichts. Pflege und Unterhalt sind zivilisatorische Errungenschaften. Hätte es in antiken Zeiten T-Shirts und Hemden gegeben, so hätten die Römer Hemden und die Barbaren T-Shirts getragen. Der Shirt-Brustbereich ist ein Beispiel für längst ausgeuferte Stillosigkeit. «Ich bin auch ein Modedesigner», mag sich mancher gedacht haben. «Ich bin auch einer der Deppen, die auf der eigenen Brust anderen ungewollte Information aufzwingen», trifft die Sache wohl eher. Für Leute, die zu H&M rennen und stolz mit Shirts rauskommen, deren Bedruck nicht einmal der alternativste Alternative versteht, kann man nur Verachtung übrig haben. Man muss sich selbst ja verkaufen. Möglichst gut. Und irgendwie muss man seine eigene Überlegenheit im Alltag zeigen. Ein erster Schritt, das nicht zu tun, ist, ein T-Shirt zu tragen. MM trägt darum Hemd. Und empfiehlt, dies ebenfalls zu tun.
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