Yes, U
Devastations, 2007.
Lieber V. – Danke für deinen Musiktipp. Ich stelle mir vor, wie du in deiner Wohnung sitzt und die neue Devastations hörst. Vielleicht trinkst du Tee oder rührst niedergeschlagen darin rum. Draussen vor dem Fenster tobt der Winter und lässt seine Wut über das verfaulte Herbstlaub regnen. Man sagt, Devastations sei der perfekte Soundtrack für die dunkle Seite des Lebens. «Wie Nick Cave», hast du gesagt. Aber ist es nicht so: Diese Musik ist, wie man es selbst gern wäre in unserem Alter. Etwas gelassener, in Würde abwartend, nicht zu stürmisch aber trotzdem erfolgsgewiss und erwartungsvoll. Oder eben: Reif.
Das Album beginnt unspektakulär. Eigentlich könnte man dazu genauso gut die Steuererklärung ausfüllen oder Sex haben, denn «Black Ice» ist harmlos. Doch dieser erste Song steht nicht für den Rest. Mit anklagender Stimme erinnert uns Conrad Standish an vergangene und noch vor uns liegende Tage der Trauer und der Wehmut. «Rosa» ist eine perfekte Harmonie aus dem geduldig abwartenden Beat von Drummer Hugo Cran und sphärischen Klängen aus Violinen und dezenten Synthesizers, die stetig anschwellen in ein melodiöses Aufbäumen der maximal verfügbaren Geräuschkulisse, bis hin zum infernalen Gitarrenkreischen. Später erklingt «As sparks fly upward» wie ein Tag nach dem grossen Rausch, wenn die Wirkung von was auch immer verflogen ist und man zu Hause niedergeschlagen im Tee rührt. Hugo Cran schlägt abermals geduldig die Regentrommel, bis der Regen fällt. Die schöne Hässlichkeit des Lebens kann weitergehen.
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