Kampf dem schlechten Ruf
Die Wirtschaft begehrt sie mehr denn je: Informatiker. Mit allen Mitteln wird versucht, dem Trend der sinkenden Studierendenzahlen entgegen zu wirken.
Der Ansturm auf eine universitäre Ausbildung steigt seit Jahren stetig. Doch dies gilt längst nicht für alle Fächer und Studienrichtungen. Zur Spezies der schrumpfenden Institute – zumindest was die Studierendenzahl angeht – gehören seit der Jahrtausendwende jene der Informatik. Rund 50 Studenten sind am Institut für Informatik der Uni Zürich momentan eingeschrieben. In Zeiten des Booms vor rund acht Jahren waren es etwa 200. Ähnlich sieht es bei den Studierendenzahlen der Informatikabteilung der ETH aus. So knapp das Angebot, so gross ist die Nachfrage nach den IT-Spezialisten. Die Privatwirtschaft sucht verzweifelt nach qualifizierten Informatikern. Allein auf jobs.ch sind momentan etwa 2000 Stellen im IT-Bereich offen und beispielsweise die Credit Suisse hat zur Zeit 200 IT-Stellen zu besetzen.
Schlechtes Image
Gerhard Schwabe, Lehrbereichsvorsteher des Instituts für Informatik (Ifi) der Universität Zürich, sieht die unberechenbare Entwicklung der Branche in den letzten Jahren als Hauptgrund für den Informatiker-Mangel. «Krisen sind ein stetiger Begleiter der Informatikbranche, rund alle zehn Jahre kann es zu einer kommen.» So wirke der Schock der Dotcom-Blase, die 2001 platzte, noch heute nach. «Damals kam es vielerorts zum Abbruch vieler IT-Projekte, allgemeine Skepsis machte sich auf dem Sektor breit», sagt Schwabe.Doch nicht nur der schwankende Arbeitsmarkt schreckt ab. Informatiker leiden auch unter einem schlechten Image. Streberhaft, wenig Sozialkompetenz und ständig vor der Kiste – das sind die Vorurteile, mit denen die IT-Spezialisten konfrontiert sind. Und Vorurteile enthalten stets einen wahren Kern. «Einige meiner Mitstudenten entsprechen eben schon dem typischen Image des Computernerds», sagt etwa Christoph Studer, Informatikstudent an der ETH im 9. Semester.
Dachverband reagiert
Sorge bereitet die Entwicklung auch ICTswitzerland, dem Dachverband der Schweizer Informatik- und Telecomorganisationen. Kurzerhand erklärte er das Jahr 2008 deshalb zum Jahr der Informatik, mit dem Ziel, das Image des Informatikers zu korrigieren und so einen personellen Zuwachs der Branche zu fördern. Dazu sind Workshops, Tagungen, Wettbewerbe und Weiteres rund ums Thema Informatik geplant. Auch die Privatwirtschaft will sich im Jahr der Informatik mächtig ins Zeug legen. Die Credit Suisse bietet intern verschiedene Ausbildungsprogramme an und engagiert sich stark für die «Informatica08». Der Kampf gegen den Informatiker-Mangel geht damit in eine nächste Runde.Kommentare:
Bisher hat niemand diese Seite kommentiert.
Dein Kommentar:
RSS Feed für die Kommentare auf dieser Seite | RSS feed für alle Kommentare
Anmelden
Mehr aus dieser Ausgabe
- Vor der Linse im Bikini statt in der Vorlesung
- Kampf dem schlechten Ruf
- Budgetierung für Anfänger
- Aufgeschoben ist wirklich aufgehoben
- Moin Moin
- Profitieren vom Leid der Bauarbeiter
- Bald kommen die Dopingjäger an die Uni
- Der Kaffee wirkt erst in der nächsten Pause
- «Guarana-Reto» sei Dank
- «Nach drei Stunden kannst du nachwerfen.»
- Credit-Points für studentisches Engagement
- Auf zu neuen Ufern
- Pool: No Water
- The Band's Visit
- The Dubliners
- Jimmy Eat World
- Nightwish
- Griechischer Rückenkratzer aus Kreta
- StuZ2 goes Alternative
- Bündnerfescht
- Gorgeous and Sophisticated
- Duell: Weltwoche
- Madrigal
- Total Khéops
- Yes, U
- Karla II
- Brief aus Wien
- Paris se bat!
- Mit Millionen Sinnvolles fördern
- ASVZ in der Grauzone
- Erziehungsmassnahme für die Wirtschaft?
- Eine düstere Zukunft für die ETH
- Der Untergang des Abendlandes
- Do you speak acadenglish?
- Wenn Stottern zum Alltag gehört
- Raupen gegen Pflanzen
- Ferrari hat drei Stück in der Garage
- Auflösung Autogramm ZS#2/86
