Aufgeschoben ist wirklich aufgehoben
Die bekannte Redewendung erhält im Zusammenhang mit einer Studie der UZH eine völlig neue Bedeutung. Diese untersuchte den Zeitpunkt von Suiziden.
Wenn der Winter naht, kommen auch die Depressionen. Viele Menschen fallen in der dunklen Jahreszeit in ein mentales Tief – die logische Schlussfolgerung wäre, dass die Selbstmordrate steigt. Dem ist nicht so. In der Adventszeit bringen sich weniger Leute um als im Sommer. Auch viele berühmte Selbstmörder haben nicht den Winter für ihren Freitod gewählt; darunter Marilyn Monroe, Niklaus Meienberg und Kurt Cobain.
Die Suizidforschung will diese Tatsache nicht so recht wahr haben. Auch die Psychiatrische Universitätsklinik und das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich erarbeiteten eine gross angelegte Studie. Das Team um Vladeta Ajdacic-Gross untersuchte die täglichen Suizidhäufigkeiten der Monate Oktober bis Februar in der Zeitspanne von 1969 bis 2003.
Auch die in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift «Psychiatry Research» publizierte Zürcher Studie kam zu keinem anders lautenden Ergebnis. Insbesondere zu Weihnachten und Neujahr sind Suizide wegen eines vollen Terminkalenders und sozialen Verpflichtungen «unpassend»: Zum Ende der Adventszeit geht daher die Suizidrate um 30 bis 40 Prozent zurück. Wer in dieser Zeit mit Selbstmordgedanken spielt, diese aber nicht ausführt, holt den Suizid nur in wenigen Fällen im Januar oder Februar nach. Adjacic-Gross kommt daher zu der lapidar klingenden Erkenntnis: «Offensichtlich ist aufgeschoben in sehr vielen Fällen tatsächlich auch aufgehoben.»
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