«Ein menschenverachtendes System»
Ab 2012 gilt an den Spitälern die Fallkostenpauschale. Das sogenannte DRG schreibt dann vor, welche Krankheit mit welcher Pauchale verrechnet werden soll. Nur wenige Ärzte und Ärztinnen in spe wissen etwas davon.
Kai Berger ist hörbar genervt: «Ich möchte mich doch auf den Patienten einlassen können, ihn ins Zentrum des Geschehens rücken und kompetent begleiten. Stattdessen schreibt mir das DRG vor, was ich tun soll. Das geht doch nicht.» Wenn die 25-jährige Medizinstudentin über das DRG spricht, gerät sie in Fahrt. Dieses «unsägliche System» bestimmt ab 2012, wie viel Geld eine Krankheit wert ist und schreibt den ÄrztInnen so vor, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit sie ihren PatientInnen widmen dürfen. Wenngleich im Irchel und Careum solche Fragen diskutiert werden, den meisten der zukünftigen ÄrztInnen ist DRG ein Fremdwort.
Die Uni informiert kaum darüber. Das erstaunt, sind doch einige Professoren auch am Unispital Zürich angestellt und somit im direkten Kontakt zum Klinikalltag. Dominik Straumann, Neurologe am Unispital, sieht den Grund für die «mangelhafte Kommunikation» in der «Überlastung und fehlenden Zivilcourage» der Professoren.
Dies möchte Christian Hess, Chefarzt Medizin des Zürcher Bezirksspitals Affoltern a/A, ändern. In einem bisher unveröffentlichten Brief an die Medizinstudierenden der Uni Zürich, welcher der ZS vorliegt, schreibt er unter anderem: «DRG ist ein menschenverachtendes System. Es instrumentalisiert den Patienten mit seinem Leiden und unterwandert Deinen Beruf, Deine Motivation.» Er sieht das DRG als «die grosse Bedrohung» für die berufliche Zukunft der Studierenden. Es sei ausserdem auch der Patienten unwürdig. «Kranksein bekommt einen monetären Wert – je schlimmer, desto besser fürs Spital. Patient rein ins Spital – Diagnosestempel drauf – Behandlung starten – und möglichst schnell wieder raus aus dem Krankenhaus.»
Hess’ deutliche Worte rütteln auf und es beginnt sich an der Uni Widerstand zu regen. Kai Berger ist zusammen mit Hess und anderen Ärzten engagiert dabei, ein mehrjähriges Moratorium zu erkämpfen. Sie möchten, dass auch die zukünftigen Ärzte sich auf ihren Patienten einlassen können, ihn ins Zentrum rücken und kompetent begleiten.
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