Duell: Kondom

Von Pro: Sabina Galbiati, Kontra: Markus Lütscher, 05. Mai 2009

Comic

  • (Bild: Wikimedia Commons)

Dafür

Wir sollten eine Petition an den Papst richten. Es wäre die Bitte um eine neue Bibel. «Seid fruchtbar und mehret euch.» Die Rammelei haben wir erledigt. Die zehn Gebote befolgen wir auch ohne die heilige Schrift. Denn – auch wenn es schwer fällt, zu glauben – wir haben die Gabe der Vernunft. «Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach» war die einzige Tatsache, die die Kirche nie wahrhaben wollte. Naja vielleicht noch, dass Jesus ein sexuelles Wesen war. Wenn einer fragt, wieso es trotz Bibel uneheliche Kinder gibt oder wieso Sex Spass macht, so ist die Bibel mit ihrem Latein am Ende. Nun sitzen wir auf dem Trockenen und fragen immer noch nach dem Sinn des Lebens. Das Neue Testament gibt uns keine befriedigende Antwort und das Alte hinkt sowieso nur hinterher.
Die neue Bibel sollte mit Platons Höhlengleichnis beginnen, da wir den Schritt aus der Höhle mit der Steinzeit hinter uns gelassen haben. Darwin würde folgen und uns die Geschichte von der Sympathie und Liebe erzählen, damit wir verstehen, wieso wir die zehn Gebote nicht brauchen. Wir würden verstehen, auf welche Pfeiler sich eine Gemeinschaft stützt.
Dann käme ein Gleichnis. Es wäre die Geschichte von den Cousins Silvio Rammelmann und Giacomo Casanova. Einst im Jahre 1740 vereinbarten die beiden eine Wette, wer mehr Frauen verführen kann. Sie wollten sich im Jahr 1772 in Venedig wieder treffen. Derjenige, der mehr Damenhöschen vorzuweisen hat, wäre der Sieger. Nun zog Silvio los, doch sein Glück währte nicht lang. Während Casanova den Doktor in Jus machte, trat Silvio den Syphilisten bei. Silvio hatte viele Frauen, die ihrerseits viele Kinder gebaren. Silvio erfuhr zu spät, dass Syphilis übertragbar ist und so trieb er seine Frauen in die Krankheit und die jungen Weiber steckten ihre Kinder an. Die Kinder starben, die Frauen verarmten und Silvio mit ihnen. Casanova jedoch kannte die Tücken der Syphilis. Er schützte sich und seine Frauen, in dem er beim Geschlechtsakt gesäuberte Schafdärme über sein Glied zog. Die Frauen ehrten ihn als grossen Verführer und mussten nicht fürchten, Opfer von Armut und Krankheit zu werden. Casanova reiste durch Europa, traf Rousseau, Voltaire, Mozart und andere Ikonen. 1772 kehrte er nach Venedig zurück, doch Silvio tauchte am vereinbarten Ort nie auf. Man munkelt, er sei im Armenhaus gestorben.
Nach diesem Gleichnis würde eine Anleitung für die Herstellung von künstlichen Tierdärmen für den Geschlechtsakt stehen. Man gäbe ihnen den Namen Präservative.

Dagegen

Lasst uns an dieser Stelle mal eines klarstellen, abseits der politischen Korrektness und Interessen der Krankenkassen. Das Kondom ist mehr Fluch als Segen. Klar, mit Aids angesteckt zu werden ist alles andere als toll. Aber Herrgott, gibt es denn keine zivilisiertere Möglichkeit, als sich eine Gummitüte über den Penis zu stülpen? Ist das alles, was unsere Zivilisation in Sachen Aids-Verhütung zu bieten hat? Immerhin ist Sex eines der wichtigsten Dinge des menschlichen Lebens. Prickelnder Sex befreit und macht glücklich. Doch bei allem Schutz, das Kondom ist leider so unerotisch wie ein alter Radiergummi. Es riecht genau so, ist glitschig und sieht eklig aus. Und ausgerechnet beim Klimax des Vorspiels outet sich das Kondom definitiv als Lusttöter. Hat Mann seine Partnerin nach grossen Anstrengungen endlich auf Touren gebracht und den Moment für eine perfekte Vereinigung erreicht, wird jäh abgebrochen. Denn jetzt beginnt die Suche nach dem Kondom. Irgendwie sind die Dinger nie in Reichweite, wenn man sie braucht. Also raus aus dem Bett, quer durchs Zimmer, Schubladen auf, wühlen. Wo sind sie denn bloss? Im Schrank? Auch nicht. Hin und her. Hat sie welche? Ahja, da! Schnell zurück! Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass die Partnerin zu diesem Zeitpunkt abgetörnt auf dem Bett liegt und SMS an ihren besten Freund schreibt. Das ist ein Zeichen, dass die Suche zu lange gedauert hat. Danke Kondom! Das Liebesspiel muss nun von vorne beginnen.
Spätestens beim überstülpen der vulkanisierten Natur-Kautschuk-Tüte bereut man endgültig die Wahl dieses Verhütungsmittels. Bei diesem Vorgang können so viele Fehler und peinliche Pannen passieren, dass aus Platzgründen auf deren Beschreibung verzichtet wird. Besonders vor M-Budget Kondomen sei gewarnt. Die haben wohl ein kleines Budget mit einem kleinen Hoseninhalt verwechselt. Das Abrollen wird so zur Qual. Zumindest für die einen.
Und dass Mann mit Kondom verminderte Gefühlsintensität beim Akt empfindet, spielt dann auch keine Rolle mehr. Weil die Stimmung ist eh im Arsch. A propos Arsch. Herkömmliche Kondome eignen sich nicht für diese Praktik. Da muss man schon speziell dicke kaufen. Selbst nach dem Akt bleibt das Kondom ein Abtörner. Schlabbrig lauert es am Boden und wartet, bis jemand seinen Fuss auf es stellt. Guten Morgen Kondom!
Leider ersetzt derzeit nur eine feste Beziehung in Kombination mit Aidstest, Vertrauen und Pille das Kondom. Singles müssen wohl weiterhin auf das Unding zurückgreifen.

Kommentare:

  • Gemäss faschistoidem Autor gibt es anscheinend keine Schwule.
    Ikea-Lümmel , 12.12.09 (vor 2 Jahre)
  • Liebe Kitty:

    Die Ironie (griechisch εἰρωνεία eironeía, wörtlich „Verstellung, Vortäuschung“) ist eine Äußerung, welche – meist unausgesprochene – Erwartungen aufdeckt, indem zum Schein das Gegenteil behauptet wird.

    Ironie im Journalismus

    Je breiter das Publikum, an das sich ein Journalist wendet, umso größer die Gefahr, dass Ironie an einem Teil der Adressaten vorbei geht. Daher der warnende Merksatz:

    Ironie
    Versteht der Leser nie.

    In den Medien ist Ironie, von unfreiwilliger abgesehen, daher überwiegend nur in Reservaten anzutreffen. Glossen sind zumeist klar als solche gekennzeichnet; oft haben sie einen festen Stammplatz (Rubrik in der Zeitung, Sendeplatz im Rundfunk).
    http://de.wikipedia.org/w , 10.05.09 (vor 3 Jahre)
  • Lieber Markus

    Das ist aber nicht dein Ernst, oder? Wenn ich das richtig verstehe, würdest du erwarten, dass deine Partnerin so bald wie irgendwie möglich die Pille zu nehmen beginnt damit du gleich nach dem Aidstest (machst du den wirklich jedes Mal und vor jeder neuen Beziehung?) freie Bahn hast? Sie soll sich weil du nicht fähig bist, die Vernunft des Kondoms über deine ganz ehrlich selbstgemachten Probleme zu stellen? Entschuldige aber das ist absolut egoistisch und reaktionär. Dazu haben Frauen mit Pille erwiesenermassen weniger Lust...

    Da du aber deine Einstellung kaum ändern wirst, hier ein paar Gedanken eines notorischen Singles, damit du die Qual des Kondomtragens ein bisschen besser überstehst:
    1. Wenn es so anstrengend ist, die Partnerin auf Touren zu bringen, hat man entweder die falsche Partnerin (sprich, eine, die dich gar nicht sooo toll findet) oder macht was falsch. Oder sie nimmt die Pille, ich merke da einen rechten Unterschied, je nach Präparat ist eine heisse Tasse Tee und ein gutes Buch um ein vielfaches verlockender als Sex.
    2. Leg dir eine \"Spielbox\" zu. Da drin sind Seidentücher, Handschellen, Peitschen, Federn, Lackstrings oder was auch immer dich im Speziellen als Spielzeug anmacht - und natürlich die Kondome. Das Ding hast du in der Nähe des Bettes, idealerweise im Nachtischli. Oder du lässt das Spielzeug weg und hast einfach eine diskrete kleine Schachtel, wo die drin sind.
    3. Das Kondom selber. Junge, es gibt Hunderte von verschiedenen Kondomen. Du konntest es nicht lassen, um Artikel anzudeuten, dass du halt ein bisschen grösser als normal bist, also mach dich schlau, was es für Kondome in deiner Grösse gibt. Kaufst ja auch nicht deine Kleider, ohne auf die Grösse zu schauen, oder? Es gibt sogar so Testerpacks, da kannst du das Ganze als \"wissenschaftliche Forschung\" tarnen, quasi eine Ausrede, wieso man jetzt heute fünfmal poppen sollte, schliesslich sollte der Vergleich zum letzten Modell noch präsent sein.
    4. Anziehen kann sehr sexy sein. Ob du es selber machst während du das Mädel mit einem \"gleich wirst du was Wahnsinniges erleben\" Blick anschaust oder sie sich die \"look, no hands\" Variante beibringt, sei euch überlassen. Und sie riechen nicht alle gleich (siehe Punkt 2).
    5. Danach. Im Vorher erwähnten Nachttischli solltest du eine Kleenexbox haben. Das erspart so peinliche Aktionen mit Küchen- oder WC-Papier oder gar die Tempopäckchen aus ihrer Handtasche. Dann kannst du sogar probieren, das Ding im Papierknäuel drin direkt in den Papierkorb zu befördern. He shoots, he scores...

    Have fun.
    Kitty , 09.05.09 (vor 3 Jahre)

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