Student Slam im bQm
An der EM führt diesen Sommer kein Weg vorbei. Doch ist dieser Fussballzirkus wirklich so toll? Ein nüchtern-ironisches EM-Märchen.
Wie gerufen kam der Poetry Slam im bQm, als sich der Himmel über Zürich längst zugezogen und es in Strömen zu regnen begonnen hatte. Die überdachte Terrasse bot sogar den Hardcore-Rauchern Schutz. Aber spätestens mit Beginn des Slams kamen auch sie in die warme Stube. Vor der Bühne lagen bequeme Sitzsäcke auf dem Boden. Dahinter liess sich mit etwas Phantasie eine Bestuhlung erkennen. Unser Trüppli richtete sich in den hinteren Gefilden ein. Wir wollten schliesslich den Überblick haben, obwohl es nicht wahnsinnig viel zu überblicken gab, denn viele der Stühle blieben unbesetzt. Der Moderator liess sich davon nicht entmutigen. Er bot denn auch gleich einen literarischen Apéro in Form eines gewagten Selbstportraits. Danach wurde eine Jury zusammengewürfelt und das erste Lösli gezogen. Et voilà, der Slam konnte beginnen. Renato Kaiser musste sich als erster auf der Bühne behaupten. Sein Text bezog sich auf seine geheimsten Männerwünsche, die jedoch bei der grossen Popkorntüte schon endeten. Die Texte, von Lara Stoll, Dari Hunziker und Christoph Simon, gingen ironische, sarkastische und politische Wege. Wir lernten, wie ein dummes Zelt funktioniert, was die Schweizer Berge attraktiv macht und Liebesgedichte verrieten uns, woher blutige Lippen kommen. Wir vernahmen, wie es auf Erasmuspartys zu und her geht und wir erfuhren, wieso eine Diktatur langweilig ist und weshalb sie nicht funktioniert. So gesehen war der Student Slam aufschlussreicher als jede Vorlesung. Die eher inkompetente Jury war begeistert, im Gegensatz zu wirklichen Poetry Slam Fans, die den Anlass wohl als etwas abgeflacht und improvisiert empfunden haben. Wer vom Slam nicht überzeugt war, durfte wenigstens im Trockenen nach Hause, denn das Gewitter war auch vorbei.
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