Sie denkt, also bin ich
An der EM führt diesen Sommer kein Weg vorbei. Doch ist dieser Fussballzirkus wirklich so toll? Ein nüchtern-ironisches EM-Märchen.
Dass Teenies Florian Stahel und Cristiano Ronaldo hinterher hecheln, ist seit jeher bekannt. Dass Fussballer meist schon nach lediglich drei guten Spielen in Serie einen dicken Vertrag unterschreiben, einen schnellen Wagen in der Garage und ein leichtes Mädchen am Arm haben, fast schon ein Naturgesetz. Und dass diese Begleiterinnen meist spindeldürr, leicht bekleidet und leicht unterbelichtet sind, gehört dabei ebenfalls zum guten Ton. Doch es gibt auch noch eine andere Kategorie Spielerfrau: die Vampir-Spielerfrau. Da auch Fussball-Profis nicht gerade zum Menschenschlag mit dem höchsten prozentualen Anteil an Nobelpreisträgern gehören, tun sich viele schwer damit, einigermassen störungsfrei durch den Dschungel von Spielervermittlern, Club-Präsidenten, auslaufenden Verträgen, Verletzungsmiseren und medialer Hetze zu stolpern. Ausserdem machen ihnen das ständige Shopping und Blitzlichtgewitter und die dauernden Umzüge in Folge der ihnen angeborenen Illoyalität und der daraus resultierenden Club- und Städte- oder gar Länderwechsel zu schaffen. Da tut es gut, sich mit einer Spielerfrau zusammen zu tun, die sich um die Wohnungssuche, die Ein- und wieder Ausschulung der Kinder, das Ausgangsprogramm und nebenbei um das Aushandeln der Verträge kümmert. Kurz gesagt, einfach alles unternimmt, damit alles stimmt – wenigstens für sie. Von dieser Sorte gibt es einige prominente Beispiele. So machte Bernd Schuster kaum einmal den Mund auf, ohne vorher die Erlaubnis seiner Ehefrau zum Sprechen erhalten zu haben. Bodo Ilgners und Stefan Effenbergs Frauen waren geradezu gefürchtet als Verhandlungsgegnerinnen. Icke Hässlers Frau hat sich hingegen gleich dem Spieler ab- und dem verhandelnden Manager zugewandt. Schewtschenko hat seiner Frau zuliebe sein gelobtes Land Italien unter Berlusconi und seinen Stammplatz gegen ein verregnetes Chelsea unter autokratischer Herrschaft und einen Platz auf der Bank eingetauscht. Da erstaunt es nicht, dass Mehmet Scholl auf die Frage nach seinem Traumberuf erwiderte: «Ganz einfach: Spielerfrau bei Bayern München.»
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