The Bothersome Man

Von Christina Ruloff, 10. März 2008

Jens Lien, 2006.

  • (Bild: PD)

Utopia ist unser Alptraum: Man stelle sich eine Welt ohne Leiden vor, ohne Schmutz, ohne Neid und Eifersucht. Alle Menschen haben ihren sicheren Hafen, einen gutmütigen Chef, einen lockeren Job, ein modernes Einfamilienhaus und regelmässigen Sex. Alle sind sie glücklich, wunschlos glücklich. Alle? Andreas (zwischen Verzweiflung, Unglauben und Apathie glänzend gespielt von Trond Fausa Aurvag) ist nicht glücklich. Er ist sogar unglücklich. Er ist ob der schlichten Abwesenheit von Gefühlen so verzweifelt, dass er sich in regelmässigen Abständen umzubringen versucht. Nur klappt das nicht, und das ist erst der Anfang vom Alptraum der perfekten Welt ohne Teufel und Tod.
Der Norweger Jens Lien bringt mit «The Bothersome Man» den surrealistischen Film auf eine neue Ebene: Denn dort, wo Amerikas hofierter Schrecken David Lynch mit übernatürlichem Spuk, brutalem Nonsens und freudschen Motiven aufhört, beginnt «The Bothersome Man», in unserer Realität nämlich. Die klinische Stadt, in der der Film spielt, ist Oslo (könnte aber auch Zürich sein), und die zufriedenen Zombies, die keinerlei Gefühle haben, sind unsere Nachbarn und Bekannten: Selten war der Alptraum so beängstigend und wahr, kaum je war Surrealismus so anschaulich und stark. «The Bothersome Man» ist ein visuell und akustisch bemerkenswerter Film, der Teile unseres Lebens reflektiert, ohne pädagogisch den Zeigefinger zu heben oder gar etwas ändern zu wollen. Kurz, ein eindrückliches Erlebnis!

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