Schorsch Kamerun und die Angst

Von Nicola Condoleo, 10. März 2008

Die ZS lädt exklusiv für Studierende zum aktuellen Projekt des Ex-Goldene-Zitronen-Leaders. Am 5. Dezember im Schiffbau für nur 20 Franken mit anschliessender Party.

  • Früher Leader einer Punkrockband, heute Regisseur: Schorsch Kamerun. (Bild: Lukas Messmer)

Schorsch Kamerun, Urpunk der Hamburger Band «Die Goldenen Zitronen» erprobt Punk seit Ende der Neunziger Jahre auch als Regisseur auf der Theaterbühne. In Zürich hat er bereits mit «Macht fressen Würde» oder «Metropolis» unserer Zeit auf den Zahn gefühlt. In seiner neuen Inszenierung «Biologie der Angst» macht er sich nun auf die Suche nach dem, was Angst ist und woher sie kommt.

Daseinsangst

Schiffbau-Kantine: Eingehüllt in das Geklapper von Tellern sitzt mir Schorsch Kamerun, ein gepflegter Punk, gegenüber. Wovor er selber Angst habe? «Ou Mann, schwierig zu beantworten» – Urängste, erlernte Ängste aus der schwierigen Prägungsphase – ein Grossteil seines Lebens habe er Ängste ausgestanden und aus diesen heraus baue man sich ja auch sein Dasein. Aber, dass diese Inszenierung nun ein lang ersehnter Wunsch sei, davon könne nicht die Rede sein. Er öffne eher das Thema Angst. Ängste seien so ziemlich das, was das Gehirn am stärksten schule. Oder die Art, wie die Evolution funktioniere, das gehe auch über Angst.

Biologie der Angst

Die Angst habe tatsächlich mit einer evolutionären Entwicklung zu tun, so Kamerun. Der Affe habe zum Teil noch keine Angst gehabt, fing erst an zu lernen. Durch unser Ungeschützt-sein befänden wir uns heute in einer weiteren Phase. Jene Ängste, die wir erlernt hätten, verlieren wir wieder. Sie würden uns weggenommen; da seien wir beim Thema Flexibelmensch: «Das hat natürlich auch mit Freiheit zu tun. Dadurch wird Freiheit aber auch so etwas wie ein Angstbegriff. Da ist man dann auch bei der Liberalisierung der ganzen Welt, oder eben einer globalisierten Welt.»

Freiheit, die wahre Angst

Die Kantine füllt sich, lautes Geplapper, Gelächter. Die Form der Inszenierung? Er könne ja schon verraten, dass sie vor den Wahlen bei einer Demonstration mit der Kamera dabei gewesen seien. Es wäre aber langweilig jetzt schon mehr zu sagen. Das Ergebnis der Wahlen sei traurig. Es zeige, wie gefährlich ein amorpher Populismus sei, weil man gut überlegen müsse, wie er attackiert werden könnte. Aber, insistiert er, wenn man inhaltlich klug und sauber sei, habe man die Möglichkeit, ihn zu entkräften.

Ästhetik des Widerspruchs

Ein Weg dazu sei die Widersprüchlichkeit. Aus ihr könne teilweise die schärfste Ästhetik entstehen. Zeigte er ein Stück wie «Biologie der Angst» in einem autonomen Jugendzentrum, dann wäre das vielleicht der geeignete Ort, hätte aber die kleinste Wirkung. Vielleicht sei es also ganz gut, dass auch seine Platten oder Videos in Feuilleton und Privatfernsehen erscheinen, solange die Inhalte nicht interpretierbar, nicht verdrehbar seien: «Wir glauben, dass unsere Kunst nicht interpretierbar ist.»
Wo: Schauspielhaus Zürich
Premiere: 7. November 2007
Exklusiv: 5. Dezember 2007, 20 Uhr. Mit anschliessender Party.

Kommentare:

Bisher hat niemand diese Seite kommentiert.

Dein Kommentar:

RSS Feed für die Kommentare auf dieser Seite | RSS feed für alle Kommentare