Melnitz

Von Sophia Arnold, 10. März 2008

Charles Lewinsky, 2007.

  • (Bild: PD)

Eine kleine aargauische Gemeinde im Jahre 1871. Eine schweizerische Familie in gutbürgerlichen Verhältnissen: Der Vater Salomon Viehhändler, seine Gattin Golde Mutter und Hausfrau. Nur, dass die Familie nicht am Sonntag die Kirche besucht, sondern am Sabbat die Synagoge. Normal also und doch anders.
Dieses Anderssein, mal als eigene Empfindung, mal von der Umwelt wie ein Stempel aufgedrückt, zieht sich als Kernthema durch die ganze Geschichte. Einer Geschichte über die jüdische Familie Meijer, die der Autor über 75 Jahre und fünf Generationen hinweg erzählt, ohne jemals an Spannung und Intensität zu verlieren.
Die von ihm geschaffenen Personen sind Originale, die einem mit all ihren Macken und Liebenswürdigkeiten ans Herz wachsen und die der Autor derart gut beschreibt, dass man sie nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören meint. Dabei tragen die vielen jiddischen Begriffe, die der Autor einfliessen lässt, einen grossen Teil zum Charme des Buches bei.Der äusserst guten Milieukenntnis Levinskys ist es zu verdanken, dass es dem Leser gelingt, einen Blick hinter die Tür zu einer fremden Welt zu werfen. Dies ist umso interessanter, als grosse Teile der Handlung in Zürich spielen und dem Leser so ein – auch historisch spannender – Blick auf unbekannte Facetten einer vertrauten Stadt ermöglicht wird.
Eine Familiengeschichte im Spiegel der Zeit also, mit all den kleinen Dramen, freudigen Ereignissen und Höhepunkten, die eine Familie über fünf Generationen erlebt. Normal – und doch ein wenig anders.

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