Eine Evaluation, von der niemand weiss
Die Universitätsleitung erhebt Passagierzahlen der Pendelbusse und analysiert Rückmeldungen von Dozierenden und Studierenden. Die Fachvereine wissen von nichts.
Freitagmorgen, 10 Uhr. Drei Fahrgäste warten auf den Pendelbus. Während diese Studierenden quasi mit einem Privat-Bus nach Oerlikon fahren dürfen, quetschen sich am Donnerstagmorgen fast 50 Fahrgäste in den Wagen. Ob sie mit der jetzigen Situation zufrieden sind, wurden sie angeblich nie gefragt. Beat Schmid, Vize-Präsident des StuRa-Büros, kümmert sich um die Pendelfenster und -busse. Alle fünf betroffenen Fachvereine hätten bestätigt, dass sie nie etwas von einer Evaluation gehört haben, sagt er. Und dass eine solche über die Fachvereine oder den StuRa laufen müsste, ist für Schmid selbstverständlich. «Da-rum kommen wir zum Schluss, dass keine Evaluation stattgefunden hat», ist er überzeugt. Ihn stört es, dass die Sache einfach liegengelassen wurde und die Studierenden erst durch die «ZS» von einer Evaluation erfahren haben. «Man könnte den Studierenden wenigstens das Gefühl geben, dass sie ernst genommen werden», erklärt er. Die Fachvereine bestätigen Schmids Aussage. Res Marti vom FV Soziologie hat «überhaupt nichts gehört». In ganz Oerlikon wisse niemand etwas von einer Evaluation. «Wir gehen davon aus, dass in der Universitätsleitung diskutiert und das dann als Evaluation verkauft wurde», mutmasst er.
Fachvereine fordern Befragung
«Wir haben die eingegangenen Stimmen von Dozierenden und Studierenden analysiert und dann in der Universitätsleitung besprochen», sagt Markus Schaad von den akademischen Diensten, der für die Pendelbusse verantwortlich ist. Dabei sei man zum Schluss gekommen, dass die bestehende Situation unter Abwägung der Interessen aller Universitätsangehörigen die einzig mögliche Lösung sei. Im Moment sind Pendelbusse jeweils um 10 und 16 Uhr im Einsatz. Eine Evaluation wird seitens der Fachvereine deshalb gefordert, weil ihrer Meinung nach die meisten Studierenden den Bus um 12 und 14 Uhr besser gebrauchen könnten. «Eine flächendeckende Befragung von Studierenden hat nicht stattgefunden», gibt Schaad aber zu. Nun stellt sich die Frage, was die Universität überhaupt erheben sollte. Die Passagierzahlen sind bekannt, es besteht eine ausgewertete Fahrgast-Zählung für die Monate Oktober bis Dezember des Jahres 2006. Wie Zählungen der «ZS» und der Universität selbst ergaben, sehen die diesjährigen Zahlen ungefähr gleich aus. Im Durchschnitt fahren etwa 20 Leute im Bus mit, es gibt aber auch Fahrten mit keinen oder bis zu 50 Passagieren. In Zukunft würden die Zählungen periodisch weitergeführt, sagt Schaad. Doch eine simple Erhebung der Fahrgastzahlen reicht für die Studienvertreter nicht aus. «Zu einer seriösen Evaluation gehört unserer Meinung nach eine Befragung der Studierenden und Dozierenden», sagt Beat Schmid. Man müsse auch herausfinden, welche Auswirkungen das Pendeln zwischen Zentrum und Oerlikon auf den Studienverlauf haben könne – gerade auch im Rahmen des dichter gewordenen Stundenplans seit der Bolognareform.
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