Die falsche Wahl

Von Philippe Amrein, 17. März 2008

Wem gehörte der blaue VW-Bus in der letzten Ausgabe?

Es war ein Sonntag, wie man ihn sich trauriger nicht hätte ausdenken können. Das Wetter trüb, die Stimmung angespannt, die Temperaturen tief, das Gemüt festgeklemmt in einer depressiven Vorahnung. Eigentlich war es mein Geburtstag, doch wie sich nach endlosen Stunden am Bildschirm herausstellte, war es schliesslich ein schwarzer Tag; ein schwarzbrauner Tag – und wir sprechen hier nicht von Haselnüssen.
Der 21. Oktober 2007 wird in die jüngere Schweizer Geschichte eingehen als jener Tag, an dem die Fäden zu reis-sen begannen. Global betrachtet, ist der 21. Oktober an sich ein Datum der traurigen Ereignisse. An diesem Tag trat Deutschland 1935 aus dem Völkerbund aus, an diesem Tag im Jahr 1969 verstarb der Schriftsteller Jack Kerouac an den Folgen seiner Alkoholsucht, und ebenfalls am 21. Oktober – vor mittlerweile vier Jahren – nahm sich der amerikanische Songwriter Elliott Smith das Leben.
Mit entsprechend düsteren Gedanken und einer diffusen Wut im Herzen schaltete ich am späten Sonntagabend sämtliche Bildschirme aus. Ich hatte die Schnauze voll von redundanten Wahlanalysten, trauernden und triumphierenden Parteipräsidenten, live zugeschalteten Kantonalkorrespondenten und den desaströsen Balkendiagrammen.
Was bleibt einem Mann an einem solch verpfuschten Tag, an dem ein numerologischer Ruck durch sein Leben geht, der auf einen demokratischen trifft? Natürlich nur eins: die wohldosierte Betäubung. Und wie ich dann so zwischen einer Stange Bier und einem Gläschen Weisflog sitze, fragt der Jüngling am Nebentisch seinen gleichaltrigen Kumpel mit ehrlichem Erstaunen in der Stimme: «Was? Waren das jetzt schon die richtigen Wahlen?». So sieht die Zukunft aus. Doch der Kampf geht weiter.

Kommentare:

Bisher hat niemand diese Seite kommentiert.

Dein Kommentar:

RSS Feed für die Kommentare auf dieser Seite | RSS feed für alle Kommentare