Das digitale Massaker
Auch unsere Hochschulen haben sich dazu durchgerungen, sämtliche Daten digital abzuspeichern. Was sich damit so alles anstellen liesse.
In der einen Hand den Donut, mit der anderen nervös auf die Tastatur klappernd, sitzt der Uni-Hacker in seinem düsteren Kellerloch. Seine Augen leuchten. Er, der in der Assessment-Prüfung in Informatik kläglich durchgefallen ist, hat es geschafft. Er ist drin. Er hat das SAP Campus Management System geknackt. Selbstzufrieden greift der Hacker mit der Linken zur Tüte mit den Chips.
Das Campus Management System ist seit 2004 in Betrieb. Die Umstellung erfolgte im Zuge der Bologna-Reform, deren Umsetzung auch eine Digitalisierung der Uni-Verwaltungen erforderte. Auf dem SAP werden alle Daten der Studierenden der Uni Zürich – Immatrikulationsdaten und erbrachte Studienleistungen – gespeichert. Kurzum, die administrative Identität jedes Studierenden ist im SAP zentralisiert – und liegt jetzt in den Händen unseres Uni-Hackers, der sich daran macht, die Datenbanken nach seinem Gusto umzugestalten. Genüsslich fährt er die Liste der Philosophie-Studis ab und löscht wahllos die Hälfte der Identitäten. Diese langhaarigen Langschläfer hat er noch nie gemocht. Als Nächstes knöpft er sich seine ehemaligen Kommilitonen von der Informatik vor. Mit ihnen ist er ein wenig gnädiger, er löscht nur die erbrachten Leistungen der letzten zwei Jahre. Zum Schluss schickt er noch die Identitäten all jener, die in den nächsten Monaten ihr Liz abgeben werden, ins Nirvana.
Doch nun ist fertig mit Zerstörung, es muss ja auch mal etwas Konstruktives gemacht werden. Für sich und seine imaginären Kollegen stellt sich der Uni-Hacker nun ein paar tolle Abschlusszeugnisse aus. Was darf’s denn sein? Ein Master in Volkswirtschaft oder ein Doktor in Mikrobiologie? Kein Problem, das Campus Management System machts möglich und stellt gleich das Zeugnis aus. Magna Cum Laude natürlich. Doch wieso braucht man ein akademisches Zeugnis, wenn man auch leichter Geld verdienen kann? Gefragt, getan. Mit zwei Klicks auf der Maus kopiert der digitale Terrorist zwischen zwei Schlücken aus der Redbull-Dose die Mailadressen sämtlicher Studis der Uni Zürich. Die 23’000 Adressen verhökert er für einige Hunderttausend Franken an Scientology und an eine Firma für Penisvergrösserungsmaschinen.
Ein realistisches Szenario? Mitnichten, lieber Leser, liebe Leserin. Alles Bullshit. Den Hacker und gescheiterten Informatikstudi mag es vielleicht geben, weit kommt er im SAP aber nicht. «Jeden Tag wird eine Kopie der Dateien angefertigt», beruhigt Thomas Tschümperlin, Leiter der Uni-Kanzlei. Einmal wöchentlich werde eine Datenkopie erstellt, die in einem Tresor versorgt wird. «Diese Daten sind vom Internet aus nicht erreichbar und können deshalb von Hackern nicht angegriffen werden», so Tschümperlin.
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