Brief aus Wien

Von Sandro Quadri, 17. März 2008

Jens Lien, 2006.

Ich habe mich ja gegen Berlin und für Wien entschieden. Wieso? Naja, war mal in Berlin: zu viele Partys, der Alkohol allzu erschwinglich. Wer hätte gedacht, dass drei Stunden nach meiner Ankunft ’ne Flasche Wein ebenfalls angekommen war? Die Folge: Die Wände sind rot, die Decken sind weiss, der Wein war gut, die Wohnung ist heiss.
Das also der erste Erguss, den mein Moleskin zu ertragen hatte. Datiert auf den 19.09.07, 01:51 Uhr. Der Rhythmus war bestimmt, die Richtung vorgegeben.
Nach drei Wochen Ferien der erste Job. Arbeitszeit: Von zehn Uhr abends bis fünf in der Früh. Ort: Der Kiosk – das Wurstrestaurant für Nachtschwärmer. Früher mit DJs auch mal Partylocation, ist er heute vor allem abgevögelt, und die schrägsten unter den Fliegern schlafen schon auch mal mit dem Kopf auf’m Tresen ein. Aber hey, die besten Currywürste, Bosnas und Eitrige gibt’s nun mal da. Zurück also zum Abscheulichen: Österreicher sind Fleischfresser – nicht sehr erschreckend, oder? Wenn dann aber einer vor dir steht und mit leuchtenden Augen Eitriges mit ’nem Bugel und ’nem 16er Blech bestellt, du die Wurst aufschneidest und nur hoffen kannst, dass sich die weisse Masse nicht in deinem Gesicht verklebt, dann ist das halt so uurgs – ayi – na wää! Aber eben, die besten Eitrigen kriegst neuerdings bei mir.
PS: Weitere Abscheulichkeiten sind die Gürtelstrassen, die Altbauklos, wenn du scheissen musst und das Vice-Mag lesen willst und das: www.hcstrache.at.

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