Aus «unizh» wird «UZH»

Von Lukas Messmer, 10. März 2008

Weil «unizh» zu salopp klinge, beschloss die Universitätsleitung, das offizielle Kürzel «UZH» einzuführen. Kritiker befürchten tote Links und Verweise.

  • Komplizierte Abläufe an der Uni. (Illustration: Sandra Kühne)

Als die Informatikdienste der Uni Zürich im Januar 2007 sämtliche Adressen auf uzh.ch umstellten, ging das Rätselraten los: Was sollte dieses neue Kürzel bedeuten? «U-Bahn Zürich», wie ein User im Uniboard vorschlägt, oder gar «Umkehr zum Herrn», wie eine durch Google gefundene österreichische Seite suggeriert? Nichts von Beidem, die Bedeutung bleibt exakt dieselbe: Universität Zürich. Am 1. Juli 2004 beschloss die Universitätsleitung im Interesse eines klaren und einheitlichen Auftritts für die Universität Zürich ein Kürzel einzuführen. Anlass dazu war die Bologna-Reform. Wie das bei anderen Hochschulen schon praktiziert wird – Beispiele sind «ETH» und «HSG» – sollte das Kürzel künftig alle Bachelor- und Masterdiplome der Universität Zürich zieren. «Weil die bis dahin verwendete Abkürzung unizh als eher salopp betrachtet wurde, fiel die Wahl auf UZH», erklärt Kurt Reimann, Generalsekretär der UZH.
Die Pläne der Universitätsleitung wurden nicht gerade mit Begeisterung aufgenommen. Kein einziges Institut hat sich wohlwollend zur Umstellung geäussert. Seinem Ärger öffentlich Luft gemacht hat Hans-Jörg Gilomen, Professor für Geschichte des Mittelalters. In einem Essay – publiziert in der HistorikerInnenzeitschrift «Elfenbeintürmer» – kritisiert er das einseitige Vorgehen der Universitätsleitung und vergleicht Internetadressen und Kürzel von verschiedenen Unis. Er kommt zum Schluss, dass die UZH aus der Reihe tanzt. Denn schweizweit sind alle Universitäten mit einer Internetadresse erreichbar, die «uni» enthält. Sein grösster Kritikpunkt ist die Abschaltung der alten unizh-Adressen. Nach aktuellem Beschluss gilt: Ende 2009 werden sämtliche unizh.ch-Adressen ins Nirvana geschickt. Dann werden unzählige Verweise im Internet und in wissenschaftlichen Publikationen künftig ins Leere laufen – und die Vernetzung der Uni Zürich in der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft beschädigen. «Dabei würde eine Weiterleitung in Zukunft fast nichts kosten», ist Gilomen überzeugt. Laut Informationen der Informatikdienste hat Gilomen in dieser Sache Recht.
Die Umstellung aller Internetadressen ist vollzogen, Aufwand und Probleme hielten sich in Grenzen. Die Weiterleitung der alten Adressen ist installiert. Intern sei das Projekt abgeschlossen, sämtlicher technischer Aufwand bereits geleistet. Eine Beibehaltung der Weiterleitungen über 2009 hinaus wäre demnach praktisch kostenlos.
Andere Schweizer Universitäten kommen ohne Kürzel aus: In Basel steht auf den Diplomen «Universität Basel». Im Internet ist die älteste Universität der Schweiz weiterhin unter unibas.ch erreichbar. Laut Beat Münch vom Rektorat der Universität Basel hat man sich sogar schon überlegt, die Adresse auf unibasel.ch zu verlängern. «Auf keinen Fall führen wir so ein Kürzel ein», ist er überzeugt. Die UZH wolle offenbar mit diesem Schritt an den Erfolg der ETH anknüpfen und wie bei der Partnerhochschule das Kürzel als Marke etablieren. «Die Frage ist nur, ob das gelingt», fügt er an. Die Uni Bern braucht ebenfalls kein Kürzel: Die Kommunikationsabteilung bestätigt, dass auf Diplomen aus der Hauptstadt die Universität Bern mit vollständigem Namen genannt wird.

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