Unterrichten in Gottes Namen

Von Lukas Messmer und Markus Lütscher, 05. Mai 2009

Viele Studierende an der Pädagogischen Hochschule sind streng religiös. Wird das Klassenzimmer zur Bibelschule?

  • Beeinflussen Lehrkräfte der «Fischlifraktion» Kinder auf suggestive und subtile Weise? (Illustration: Philip Schaufelberger)
  • Die eigenen Überzeugungen drücken im Unterricht immer irgendwie durch. (Bild: Philip Schaufelberger)
  • «Gläubige aus Freikirchen haben einen grossen Missionsdrang», sagt ein Experte. (Illustration: Philip Schaufelberger)
  • Wer will, kann in der Oberstufe im Biologieunterricht die Evolutionstheorie weglassen. (Illustration: Philip Schaufelberger)

Zwei Lehrerinnen im Praktikum. Ein Schüler kommt zum Lehrerpult und fragt: «Sie, gälled Sie, Schwuli sind au Mänsche?» Die Lehrerin ist baff. Bestätigt dann aber sofort, dass Schwule sehr wohl Menschen seien. Der Schüler steuert wieder seinen Platz an. Da sagt ihre Kollegin, Mitglied einer Freikirche, leise zu ihr: «Darüber lässt sich also streiten.» Das ist kein atheistisches Propagandamärchen, sondern so geschehen im Kanton Zürich, vor nicht allzu langer Zeit. Die zwei Frauen sind angehende Lehrerinnen und studieren an der Päda-gogischen Hochschule (PH) in Zürich. Dass viele gläubige Studierende die Lehrerausbildung absolvieren, ist an der Hochschule ein Tabuthema. Wie ein glühendes Stück Kohle, das alle sehen aber nicht anfassen wollen. Man kennt das Phänomen, man ist irgendwie beunruhigt, mit Namen genannt werden will man aber nicht. «Z'heiss» sei es, dazu Auskunft zu geben. Oder: «Das ist doch etwas Persönliches, das fragt man nicht.»

Ein Drittel ist religiös

«Meine Schätzung: 50 Prozent sind religiös, 20 Prozent davon sind Fundamentalisten», sagt Gaby*, Studentin an der PH. Erkennbar seien die Gläubigen an kleinen Merkmalen: Tätowierte Kreuze am Hals, Armbänder aus Plastik oder an ihrem Verhalten im täglichen Unterricht. Im neuen Pflichtfach «Religion und Kultur» zum Beispiel. «Die nehmen das voll ernst und korrigieren dauernd unsere Dozentin», sagt Gaby. Wenn Witze über den Teufel gerissen werden, bricht schon mal jemand in Tränen aus. Im Ethik- und Moralunterricht höre man öfters die Forderung, man solle neben der Evolutionstheorie im Biologieunterricht auch die Schöpfungstheorie lehren. Und wird über die Bibel geredet, fallen Sätze wie: «Sie, wo steht denn das genau? Das kommt aber drauf an!» Neben Freikirchlern studieren auch Mitglieder der ICF, Baptisten oder Juden an der PH. Statistiken gibt es keine. Glaubt man Studierenden, erreicht die «Fischlifraktion», wie sie im Alltag von den Mitstudierenden genannt wird, einen Anteil von 10 bis 30 Prozent.

Klassenspaltung am Unterstrass

Exemplarisch zeigt sich die Anhäufung christlicher Studierender am Institut Unterstrass, das an die PH angegliedert ist. Es gilt als «Gschpürschmi»-Variante der Lehrerausbildung. Vor 150 Jahren wurde das Institut als «Evangelisches Lehrerseminar» gegründet, heute ist es konfessionsneutral – aber noch immer stellen die Christen die Mehrheit. Sandra*, selbst nicht religiös, macht am Unterstrass die Ausbildung zur Primarlehrerin. Zuerst wiegelt sie bei der Frage nach den vielen gläubigen Studierenden ab. «Freikirchler?», sagt sie und überlegt, «gibt es bei uns nicht mehr als anderswo.» Dann hält sie kurz inne und zählt nach: «Einen, zwei, drei, warte, es sind noch mehr.» Zum Schluss ist sie doch etwas erstaunt: Fast die Hälfte der Klasse ist religiös. Rahel* studiert ebenfalls am Institut Unterstrass. «Unsere Klasse ist in zwei Gruppen gespalten, wir und die anderen», erzählt sie, «eine gläubige und eine ungläubige Fraktion.» Man arbeite miteinander, gehe aber getrennte Wege, sobald die Veranstaltungen vorbei seien. Sie lernen im gleichen Klassenzimmer, leben aber in unterschiedlichen Welten: Die religiöse Gruppe braucht viel Zeit fürs Beten, Singen oder Lesen in der Bibel, hat eine völlig andere Lebensgestaltung. Wenn die einen morgens um sechs im Klassenlager noch im Tiefschlaf liegen, treffen sich die anderen, um gemeinsam die Bibel zu studieren. Zur Ausbildung am Institut Unterstrass gehört auch die obligatorische Woche «Religiöse Grundfragen». Dort sprechen die künftigen Lehrkräfte auch über ihren eigenen Glauben. Und dort öffnen sich die Gräben, über denen sonst eine Decke des Schweigens liegt. Viele erschrecken, wie sich ihre Mitstudierenden plötzlich äussern. «Da wurde auch gesagt, dass alle, die den eigenen Glauben nicht teilen, in die Hölle kämen», erinnert sich Rahel. Bis dahin unauffällige Studierende wurden zu glühenden Verfechtern ihres Glaubens. «Die sind so in dem Ganzen drin, die können nicht mehr kritisch denken», regt Rahel sich noch heute auf. Wer Jesus in Frage stelle, werde sofort abgeschrieben.

Alle anderen kommen in die Hölle

Auch Daniela* studiert am Institut Unterstrass, sie ist streng gläubig und Mitglied einer kleinen Freikirche. «Ich glaube daran, dass Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat», stellt Daniela klar. Ihr Glaube sei der einzig richtige, weil er komplett sei. Allen anderen Glaubensrichtungen fehle ein Element. Darum ist sie auch der Überzeugung, dass «es in der Bibel steht, dass Ungläubige in die Hölle kommen.» Zum Beispiel Primarschüler muslimischen Glaubens. Daniela stammt aus einer Lehrerfamilie, die Wahl zwischen einem Kunst-Studium und der PH sei ihr nicht leicht gefallen.Aber Gott habe ihr den Weg gezeigt. «Er hat für jeden Menschen einen Plan», ist Daniela überzeugt. Den Kindern etwas weiterzugeben, das liege ihr. Wichtig seien ihr Werte wie Vertrauen und Wertschätzung. «Alle Menschen sind Gotteskinder,» meint Daniela. Es wäre für sie auch kein Problem, eine Multikultiklasse zu unterrichten. «Das fände ich sogar sehr interessant», sagt sie begeistert. In der Naturkunde würde sie neutral und kritisch lehren, religiöse und weltliche Anschauung gleichstellen. Und das obwohl «die Evolutionstheorie durchaus widerlegt werden kann,» wie sie sagt. Gewisse moderne Inhalte würde sie aber auch kommentieren oder in einigen Punkten widersprechen.

Lehrberuf aus Nächstenliebe

Vertreter und Dozierende reagieren etwas ratlos, wenn man sie fragt, warum all diese religiösen Studierenden Lehrer werden wollen. David Bucher, Student an der PH, ortet die Gründe bei der Erziehung. «Von klein auf sind solche Leute in religiösen Gruppen aktiv», sagt er. Der Lehrerberuf habe eine starke soziale Komponente, und das spreche gläubige Menschen an. Er glaube nicht, dass allfällige missionarische Interessen dahinter steckten. Studentin Sandra vermutet, viele gläubige Studierende würden schon früh eine Familie gründen wollen. Dazu eigne sich der Lehrberuf sehr gut. Als Primarlehrerin könne man gut Teilzeit arbeiten. Für Matthias Gubler, Leiter des Institut Unterstrass, liegen die Gründe tiefer. «Ich fürchte eben doch, dass da eine Art missionarischer Einsatz dahinter steckt», erklärt Gubler. Man finde Leute mit «Botschaften» häufiger in pädagogischen Berufen. «Menschen, die etwas vermitteln wollen, werden eben eher Lehrer als Ingenieure», sagt er. Dass es am Institut Unterstrass mehr Religiöse gibt als an der PH selbst, glaubt er nicht.

Schwänzen wegen Zungenkuss

Doch was will die «Fischlifraktion» eigentlich? Lebt sie ihre Religion in der Freizeit aus oder will sie im Schulzimmer auf Mission gehen? Wieder gehen bei den Studierenden die Scheuklappen hoch. «Das wissen wir doch nicht», sagt eine Studentin. Eine andere scheint allerdings nur auf eine Gelegenheit gewartet zu haben, sich ihren Frust einmal von der Seele zu reden. «Die einen sind easy, andere weniger», sagt sie. Je extremere Positionen sie vertreten, desto eher stiessen sie bei Mitstudierenden auf Unverständnis. Dass man sich als Strenggläubige vom obligatorischen Modul Sexualpädagogik dispensieren lassen könne, weil da ein Bild mit Zungenkuss gezeigt wurde, goutiert sie nicht. «Es geht gar nicht ums Christensein, sondern um den Fundamentalismus. Wenn Leute glauben, schwul zu sein, sei eine Krankheit, dann ist das doch eine Menschenrechtsverletzung!», ruft sie aus. Ist es nicht, denn jeder darf glauben was er will. Die Religionsfreiheit ist ein von der Verfassung garantiertes Menschenrecht. Auch das Recht auf Ausbildung. Niemand kann festlegen, wer mit welchem Glauben studieren darf.
Aber sonst ist die rechtliche Situation schwammig. Die Trennung von Religion und Staat ist in der Schweiz nicht vollständig. Die Bundesverfassung beginnt mit «Im Namen Gottes des Allmächtigen!» Aber jeder Kanton vertritt in der Praxis eine etwas andere Auffassung, in Zürich gilt grundsätzlich: Die Schulen müssen konfessionell neutral sein. Aber wie neutral kann eine streng gläubige Lehrperson muslimische Kinder unterrichten, sofern sie überzeugt ist, dass diese in die Hölle kommen, wenn sie nicht konvertieren? «Missionieren tun sie später nicht absichtlich, aber ich glaube, unbewusst tun sie das», drückt Unterstrass-Studentin Rahel ihre Befürchtungen aus. Auch Matthias Gubler vom Institut Unterstrass sieht da durchaus Konfliktpotenzial: «Die Lehrperson muss ihre religiösen Überzeugungen im Unterricht zurückhalten können,» sagt er. Als Lehrperson sei es kein Problem, offen zu seinem Glauben zu stehen. Das Schlimmste wären laut Gubler aber ständige, unterschwellige moralische Botschaften im Unterricht, die das Kind nicht richtig einordnen kann.

Unverbindliche Lehrpläne

Jede Lehrperson gibt im Unterricht etwas von ihrer Persönlichkeit mit. Und niemand muss sklavisch dem Lehrplan folgen. Wer will, kann in der Oberstufe beispielsweise die Evolutionstheorie auch einfach weglassen. Dafür hat Gubler kein Verständnis: «Wenn unsere Leute das nicht vertreten können, sollen sie sich einen anderen Job suchen!», sagt er,«wissenschaftliche Erkenntnisse müsse sie akzeptieren.» Die Schöpfungstheorie solle man behandeln, aber im Religions- und nicht im Biologieunterricht. Gubler war dieses Jahr an der Woche «Religiöse Grundfragen» am Unterstrass mit dabei. «In meinen Augen gehen einzelne Positionen in Richtung Fundamentalismus», sagt er, «und ich denke, extreme fundamentalistische Positionen sind sehr heikel.» Auch Hugo Stamm, Fachmann für religiöse Fragen, sieht Missionierungspotenzial: «Die eigene Überzeugung drückt im Unterricht immer irgendwie durch», sagt er. «Da Gläubige aus Freikirchen einen grossen Missionsdrang haben, besteht die Gefahr, dass sie ihre Schülerinnen und Schüler bewusst religiös beeinflussen», führt er aus, «durch das persönliche Verhältnis in der Klasse gibt es viele Möglichkeiten, die eigenen Überzeugungen auf suggestive und subtile Weise auf die Kinder zu übertragen.» Sprüche wie «Da hät dä lieb Gott aber kei Freud!» seien noch harmlose Bemerkungen. «Eltern haben es sehr schwer, religiöse Beeinflussungen nachzuweisen und sich gegen die Lehrer zu wehren», erklärt Stamm.

Säkulare Schule?

Wird unser Bildungssystem also von Fundamentalisten unterwandert? Gehen unsere Kinder zu Lehrkräften in die Schule, die Schwule für «absonderlich» halten und im Biologieunterricht erzählen, dass Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat? Das ist wohl übertrieben, aber Studierende, Dozierende und Experten sind beunruhigt: Alle wollen die Entwicklung mit wachsamen Augen verfolgen. Und fordern, dass die Hochschule ihren Studierenden die Wichtigkeit einer strikten Trennung von Glaube und Unterricht einprägt. Am Institut Unterstrass ist das schon Realität: «Es wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass alle Glaubensrichtungen offen betrachet und neutral bewertet werden», sagt Rahel, «es wird uns eingetrichtert, dass wir uns im Unterricht zurückhalten sollen.» Solche Worte hört man an der Pädagogischen Hochschule von niemandem. Im Gegenteil, das Thema werde «totgeschwiegen», sagt Gaby, «die PH thematisiert das einfach nicht.» Lässt man die Gefahr einer Missionierung im Klassenzimmer beiseite, räumen auch Kritiker der «Fischlifraktion» ein, dass gläubige Menschen oft sehr gute Lehrer sind. «Ein freikirchlicher Hintergrund kann sehr problematisch, aber natürlich auch sehr fruchtbar sein», sagt Johannes Kilchsperger, der an der PH die Fachgruppe Religion und Kultur leitet. «Es war schon immer so, dass religiöse Leute eher einen Lehrberuf wählen», weiss er. Er kenne Lehrpersonen, die kreativ und offen seien und bewusst mit ihrem Hintergrund umgingen. Und zumindest ein Kompliment an die «Fischlifraktion» kommt auch von Seiten der unreligiösen Studierenden. Sie bewundern, wie herzlich ihre christlichen Kommilitoninnen mit Kindern umgehen. *Name der Redaktion bekannt

Links

Pädagogische Hochschule des Kantons Zürich
Institut und Gymnasium Unterstrass

 

Kommentare:

  • \"Gizelah\" und \"Roli\" schreiben hier: es sei \"genauso absurd, allen Menschen den Glauben an eine plötzlich entstehende Entwicklung aus toter Materie aufzuzwingen und dies als \"einzig richtig\" anzuschauen\" bzw. \"Schlimm wird es dann, wenn die Evolutionsanhänger fundamentalistisch ihren Glauben an die Entstehung aus dem Nichts Menschen aufzwängen, die dies einfach nicht nachvollziehbar finden..\"

    Die darwinsche Evolutionstheorie erklärt das Leben nachdem es begonnen hat. Sie erklärt nicht die Entstehung des Lebens. Das was sie angetreten ist zu erklären, erklärt sie äusserst elegant und befindet sich in Übereinstimmung mit einer Unmenge an empirischen Erkenntnissen aus den verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen. Die Evolutionstheorie einfach abzulehnen ist intellektuell ignorant und jemand der das tut ist als Naturwissenschaftslehrer ungeeignet. Die Evolutionstheorie lässt sich aber wie jede andere wissenschaftliche Theorie auch falsifizieren, wenn man Daten bringt, die der Theorie fundamental widersprechen.

    Was die Entstehung des Lebens (wie wird aus Nicht-Information Information?) angeht so kann es sein, dass es noch keine zufriedenstellende wissenschaftliche Theorie dafür gibt. Genauso wie man vor über 150 Jahren noch nicht die Entwicklung des Lebens zufriedenstellend erklären und verstehen konnte.
    Wenn man aber etwas nicht erklären kann, dann kann man aber auch momentan einfach sagen: \"Wir können das noch nicht erklären.\" Ich verstehe nicht was daran so schwer ist?
    Man muss sich nicht gleich auf ein übernatürliches Wesen berufen nur weil man irgendetwas nicht versteht. Das ist eine völlig unwissenschaftliche Herangehensweise und wie kann jemand der fundamentale wissenschaftliche Prinzipien nicht versteht dann natur_wissenschaftliche_ Erkenntnisse im Unterricht vermitteln?

    Wenn man etwas nicht versteht und sich dann - anstatt zu versuchen das was man nicht versteht, verstehen zu lernen (forschen) - auf ein unerklärtes oder sogar unerklärbares übernatürliches Wesen als Erklärung für das Unverständliche beruft, hat man NULL Erkenntnisgewinn.

    Roli schreibt:
    \"Atheisten machen dann immer den Einwand, wer denn Gott erschaffen habe. Doch das Unendliche ist im Gegensatz zum Endlichen nicht greifbar und braucht insofern keine Begründung.\"
    Wenn du so argumentierst, sollte dich ja bereits die Idee zufrieden stellen können, dass das Universum ewig ist. Das widerspricht zwar wissenschaftlichen gesammelten Daten (empirischer Erkenntnis), aber braucht dann keinen Schöpfergott als Erklärung. Das ist genauso plausibel wie ein Schöpfergott, der keiner Erklärung bedarf.

    Roli schreibt:
    \"Für mich bräuchte es sehr viel mehr Glauben, anzunehmen, dass der Anbeginn des Universums durch einen Big Bang aus dem Nichts und Wieder-Nichts geschah.\"

    Noch einmal: Bei Wissenschaft geht es darum Erklärungen zu finden. Gute Erklärungen sind konsistent mit empirischer Erkenntnis (abstrakt: Daten). Die Big-Bang-Theorie ist die bisher beste vorgeschlagene Theorie gemessen an der Übereinstimmung von Theorie und Daten.

    Vielleicht noch eine paar Worte zum Begriff \"Theorie\" mit dem - wie mit vielen anderen wissenschaftlichen Konzepten - religiöse Menschen vielfach grosse Mühe haben (sie stregen sich aber offenbar auch nicht gerade an Wissenschaft zu verstehen). Eine \"Theorie\" im wissenschaftlichen Sinn ist keine unüberlegte Vermutung wie man das vielleicht im Alltagsgebrauch verwendet (\"Ich hab da eine Theorie\"), sondern ein konsistentes, widerspruchsfreies Erklärungsmodell, das seine Gültigkeit an empirischer Erkenntnis bewiesen hat. Es ist somit robustes, gesichertes Wissen. Das ist das beste was man bekommen kann. Es gibt kein absolut sicheres Wissen. Das ist erkenntnistheoretisch nicht haltbar. Der Versuch der Letzbegründung führt ins Münchhausen-Trilemma.

    Auch die newtonschen Gesetze der Bewegung aus der Mechanik sind Theorien. Damals war man noch nicht so bescheiden und hat das ganze Gesetz genannt. Genauso wie die Gravitationstheorie oder die Keimtheorie der Krankheitsübertragung (früher dachte man noch die würden durch Miasmen verbreitet). Das sind alles \"nur\" Theorien. Mit diesen Theorien haben viele religiöse Menschen aber überhaupt keine Probleme, obwohl sie nach den gleichen wissenschaftlichen Prinzipien zustande gekommen sind, wie beispielsweise die Evolutionstheorie.

    Noch eine Bemerkung zur Wissenschaftstheorie:
    Wissenschaft sieht ihre eigenen Aussagen als prinzipiell unsicher und damit auch korrigierbar an (Prinzip des Falsifikationismus, wie von einer anderen Person in den Kommentaren schon einmal erwähnt). Wissenschaft wähnt sich weder im Besitz letzter Wahrheiten noch hat sie den Anspruch solche zu finden wie das etwa Religionen von sich behaupten. Wissenschaft stellt Hypothesen auf die sich in der Praxis (Empirie) als brauchbar erweisen müssen. Sind sie das nicht werden sie verworfen oder angepasst.

    Wer Wissenschaft ablehnt, sollte so konsequent sein und auch auf die Vorzüge wissenschaftlicher Erkenntnis verzichten: kein Auto/Zug/Tram fahren, nicht mit dem Flugzeug fliegen, nicht zum Arzt gehen, nicht das Internet benutzen und auf gar keinen Fall antihaftbeschichtete Pfannen verwenden ...
    Simon , 03.04.09 (vor 3 Jahre) Antworten
  • Ach so gefährlich sind diese Christen? Ich bin selbst Christ und froh darüber. Aber wenn da erwachsene Leute nicht in den Sexualkundeunterricht gehen und Druck auf andere ausüben, kommt mir das echt seltsam vor.

    Dass die Schöpfungsgeschichte in den Biologieunterricht kommen soll, kommt mir ebenfalls recht seltsasm vor. Worum es eigentlich gehen sollte, ist einfach nur die Kritikpunkte an der Evolutionstheorie. Denn diese Theorie, so gut sie auch ist, hat nun mal (noch?) irrsinnig große Löcher.
    henryk , 03.04.09 (vor 3 Jahre) Antworten
  • http://www.youtube.com/watch?v=gyQ57X3YhH4

    hört doch bitte auf die Stimme Vernunft, all ihr verblendeten religiösen Spinner.
    Atheist , 03.04.09 (vor 3 Jahre) Antworten
  • http://www.youtube.com/watch?v=po0ZMfkSNxc

    ....und schaut wie sogar ein hoher Würdenträger der katholischen Kirche sich windet und schlussendlich zugibt, dass sein Glaube im Widerspruch zu seiner Vernunft steht.
    Atheist , 03.04.09 (vor 3 Jahre) Antworten
  • Denken ist förderlich. Jeder, der sucht, wird finden. Alles Gute euch allen.

    Evolutions-Theorie:
    http://tinyurl.com/czkugy
    Klaus , 03.04.09 (vor 3 Jahre) Antworten
  • Ich finde es gut, dass die Frage der Werte unserer Lehrer wieder einmal aufgegriffen. Wie Hugo Stamm richtig sagt, vermittelt jede Unterrichtende, jeder Unterrichtender seine Wert und seine Weltsnschauung im Klassenzimmer. Mit anderen Worten, der sogennte neutrale Unterricht existiert nicht. Die Schweizer Bildungslandschaft ist seit Jahurhundertent von einem christlichen Werterahmen geprägt. Dieser Rahmen hat massgeblich die Qualität, die Entwicklung und der Erfolg unseres Bildungssystems bestimmt. Ich denke, dass es wichtitg wäre, dass dieser Rahmen mehr an unseren pädgogischen Hochschulen diskutiert wird, anstatt dass von allen Seiten einfach Schlagwörtern benutzt werden. Seine Werte sollte ein Pädgoge vertreten können und die Werte von anderen respektieren. Leider scheint diese Fähgkeit nicht nur in den Medien und der Politik verloren zu gehen, sondern auch bei Pädagogen entwicklelen sich zu Populisten. Das finde ich schade, weil dies die Schälerinnen und Schüler sowie die angehenden Lehrkräfte übernehmen werden.
    Thomas Kunz , 02.04.09 (vor 3 Jahre) Antworten
  • Frage: Ist die Schweiz wirklich neutral, und können Menschen überhaupt auf der ganzen Linie ihres Lebens neutral sein? Antwort: Nein. Wie kann also dann eine Hochschule mit diversen Menschen unterschiedlichster Herkunft und Überzeugungen neutral sein?

    Wie EX_STUDENT schon betont hat, ist es genauso absurd, allen Menschen den Glauben an eine plötzlich entstehende Entwicklung aus toter Materie aufzuzwingen und dies als \"einzig richtig\" anzuschauen - wobei es noch keinem Menschen gelungen ist, sich aus Staub ein lebendiges Kind oder ein Haustier zu fertigen... Und die Klon-Eva der Raelianer hat auch noch keiner gesehen, ich halte sie deshalb für ein mit grossem Carramba inszeniertes Gerücht; aber das ist eine andere Geschichte und da kann man nun wirklich von Sekte sprechen.

    Auch im Thema Homosexualität pflichte ich EX_STUDENT bei - auch ich bin nicht gegen die Menschen selbst (habe übrigens 2 liebe Cousins von beiden Elternseiten, die schwul sind), sondern gegen das was sie leben. In der Bibel können wir nachlesen, dass es dieses Phänomen nicht von Anfang an gab (Römerbrief 1:25-27). Denn: wie könnte sich die Menschheit vermehren, wenn es plötzlich nur noch Homosexuelle gäbe? Dann wäre nämlich auch das neue teilweise in der Welt praktizierte Gesetz von Adoption für solche Paare mal zu Ende, wenn das letzte der noch übrigen Kinder erwachsen geworden wäre. Und die Menschheit stürbe bald aus...

    Es geht gar nicht darum, dass \"alle Andersgläubigen in die Hölle kommen\", nur der jeweilige Freikirchler nicht, was ihn als einen darstellt, der sich über alle erhebt. Aber die Bibel (übrigens das älteste aller Religionsbücher und zugleich die Geschichte der Entstehung von Israel) ganz klar, dass Jesus der einzige Weg zum Vater sei, einen anderen Weg gebe es nicht. Denn Gott hat den Menschen geschaffen, um mit Ihm Beziehung zu leben, nicht um sich selbst zu verwirklichen und zu beweisen, was er alles toll kann. Weil aber der Mensch so einen Drang zu haben scheint, und das schon bei den ersten durchschien, musste Er, wenn Er trotzdem noch mit den Menschen Kontakt haben wollte, einen anderen Plan haben: Jesus. Indem Er den Sohn auf die Erde schickte, um zu zeigen, wie ein freies und suchtloses Leben wirklich funktionieren könnte, und um dann die Zielverfehlungen der Menschen mit dem irdischen Leben Seines Opferlammes* zu bezahlen, machte Er den Weg zu Sich wieder begehbar, in welchen die Menschen freiwillig eine tiefe Kluft gerissen hatten. Denn Er ist heilig, sie nicht.

    *Opferlämmer brauchte es schon im frühen Judentum, um die Sünden der Menschen zu sühnen.

    Ich wünsche jedem, der dies liest, dass er sowas von gesegnet wird in seinem Alltag, und dass er merkt, dass nicht alle Christen gleich sind.
    Gizelah , 02.04.09 (vor 3 Jahre) Antworten
  • Im Gegensatz zu NEWS ist obiger Artikel geradezu wohltuend differenziert. Aber auch er führt den suggestiven Titel einer Entwicklung, die in Tat und Wahrheit nicht stattfindet.
    Wie wohl richtig festgestellt, ist in christlichen Kreisen der Anteil an Sozialberuflern (Pflege und Bildung) überdurchschnittlich hoch. Ob dies an einer missionarischen Berufung liegt, wie M. Gubler zitiert wird? Könnte es nicht auch darin liegen, dass das Materielle in frommen Kreisen einen erheblich tieferen Stellenwert geniesst und deshalb weniger dieser Spezies in den klassischen Karrierenberufen landen?
    Wie auch immer - der Anteil an Frommen bei Lehrern war schon immer hoch und das hat sich auch aktuell nicht geändert. Und ein allfälliges \"Problem\" mit \"übereifrigen Missionaren\" ist deshalb heute genauso latent wie gestern. \"Wird die Bibel zum Klassenzimmer?\" suggeriert hingegen, dass eine neue oder zumindest wachsende Gefahr im Anzug ist. Dabei müsste man doch ehrlicherweise die umgekehrte Frage stellen, ob die Bibel mehr und mehr aus dem Schulzimmer verbannt wird? Letzteres lässt sich m.E. viel eher stützen. Ich glaube kaum, dass heute ein Lehrer mit seinen Kindern zum Tagesanfang noch beten darf, was vor 30 Jahren noch an vielen Orten möglich war. Und einer Multikulti-Klasse die Weihnachtgeschichte zu erzählen wird je länger je problematischer. Auch die Vorgaben im Religionsunterricht werden immer pluralistischer. Von einer steigenden Gefährdung der Schüler durch überhöhten Bibeleinfluss zu sprechen ist schlicht abstrus. Diesen auszuschalten ist nur dadurch möglich, in dem christlich gesinnten Menschen den Zugang zum Lehrerberuf verboten wird. In diese Kerbe haut zwar nicht ZS, NEWS hingegen schon. Eine lupenreine Trennung der persönlichen religiösen und weltanschaulichen Überzeugung vom Unterricht, wie es sich ZS wünscht, wird es nie zu 100% geben. Aus meiner Sicht wird aktuell einfach aus einer Maus ein Berg fabriziert, der in seinem Höhepunkt mit der Gleichsetzung von Freikirche mit religiösen Extremisten (d.h. u.a. Bombenattentätern) im NEWS vom 30. April gegipfelt hat. Schade!
    EX_STUDENT , 01.04.09 (vor 3 Jahre) Antworten
  • Statt religiöser Doktrinen sollte an Schulen hilfreiche Themen unterrichtet werden.
    Ich kenne die Fischli-Kreise in und auswendig. Ihre Lehre ist ein lebensfeindlicher Fundamentalismus und es wäre utopisch anzunehmen, dass Lehrer aus freikirchlichem Umfeld nicht jede Gelegenheit am Schopf packen würden, um zu missionieren.
    Der Religionsunterricht gehört in die Hände von Pfarrern, die Theologie studiert haben.

    Seit ich mich aus diesen Kreisen verabschiedet habe, kann ich endlich ohne Depressionen leben. Soviel zu den Auswirkungen des Fischli-Glaubens!!!
    Pooh , 01.04.09 (vor 3 Jahre) Antworten
  • Ich bin vom NEWS her auf diesen ZS-Artikel gestossen. Perfekte Propaganda. Aber was steckt dahinter? Jemand der persönliche Probleme mit Freikirchlern hat? Übrigens, viele Muslime denken das die anderen sowieso in der Hölle schmorren werden; und frag sie mal was man bei ihnen mit Schwulen macht.
    Prinz , 31.03.09 (vor 3 Jahre) Antworten

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