Defibrillator
Zusammen mit langhaarigen Männern und Brillenschlangen?
Innert Sekunden veränderte sich sein Leben. Eben noch wischte er den Boden mit einem Besen, schon ist er Arzt – und das nur durch die Berührung mit einem merkwürdigen, grünen Gerät. Sofort ist klar: Dieses auffällig platzierte Ding an der Wand ist der wahre Protagonist. Die Szene ist nicht echt, sie stammt aus einem kürzlich ausgestrahlten Werbespot für Defibrillatoren. Neu ist, dass das Gerät plötzlich aus der High-End-Medizin unters Volk gerät. Hinter dem Spot steckt die eindeutige Botschaft: Werde für kurze Zeit zum Arzt und rette Leben! Bisher war das Privileg, ein Held zu sein, wenigen talentierten Menschen vorenthalten, die in Notsituationen schnell, impulsiv und effizient zu handeln wussten. Der neue Volks-Defibrillator, AED (Automatisierter externer Defibrillator) genannt, rüttelt am hohen Thron dieser Helden (wenigstens was spontane Herzstillstände angeht). Sollte im neuen Zeitalter der AEDs auf der Strasse einmal ein Herz stillstehen, genügt ein entschlossener Passant – das Gerät bedienen kann jeder Idiot. Eine kleine Gebrauchsanweisung für eines der Geräte, die seit Kurzem in den Telefonzellen an der Bahnhofstrasse hängen: Nimm den Defibrillator aus dem Kasten, trage ihn zur verunglückten Person und machs so, wie dus aus Emergency Room kennst: Die beiden Dinger auf den Brustkasten drücken, der Stromstoss erfolgt sofort. Jetzt auf die Wirkung hoffen und bei Misserfolg Vorgang wiederholen. Nach 30 Sekunden ausserhalb des Kastens stellt das Gerät automatisch eine Verbindung zur Ambulanz her – der Profi hilft mit. Wo ein solcher Kasten steht, sind müde Herzen in Sicherheit! Etablierte oder zukünftige Helden werden sich über die Anschaffung von 13 AEDs an der Bahnhofstrasse ärgern. Was sind sie noch wert, wenn sie nicht aus der Masse herausragen können? Und welche Bewunderung ihnen entgeht! Doch für einen garantierten Anstieg an Sicherheit nehmen wir das Verschwinden dieser Helden gern in Kauf.
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