Tristan
Daniele Luchetti, 2007.
Tristan gehörte lange zu den Männern, die wussten, wie das läuft mit so einer Beziehung. Du lernst jemanden kennen, magst ihn, liebst ihn vielleicht und schnürst dir daraus ein samtig weiches Paket zusammen. «Wenn es zu schwer wird, schmeisst du es einfach weg und machst dir ein neues», lachte er, schlug die Beine übereinander und bestellte sich das nächste Herrgöttli. Tristan warf seine Päckchen ziemlich oft weg. Alle vier oder fünf Monate sass ein Anderer an seiner Seite.
Doch einer blieb. Der war Borderliner. Ich hasse dich, bitte verlass mich nicht. Solche Leute sind das. Die ritzen sich auch mit einer Rasierklinge. Das steht alles in den Ratgeberbüchern im Orell Füssli. Die ticken etwas anders. Tristan wusste nicht wie. Er konnte das Paket plötzlich nicht mehr lässig in die Ecke stellen, sondern sass verängstigt in der Bar, während sich der andere volllaufen liess, irgendwann die Gläser auf den Boden knallte und ihn beschimpfte. Einmal, ich sass mit Tristan am Tresen, kam sein Borderliner gerade aus dem Sexshop nebenan getorkelt, haute seinem verunsicherten Freund einen Dildo um die Ohren und brach heulend zusammen. Die Inszenierung war perfekt. Tristan hasste diesen Menschen, der einfach nicht gehen wollte. Der ihn kein neues Päckchen schnüren liess. Trotzdem besuchte Tristan seinen Freund am nächsten Tag in der Psychiatrischen Klinik, sah die aufgedunsenen Teenies, die zugedröhnt um den Küchentisch sassen und Wurstbrote in sich hineinstopften. Da wusste er, dass sie das gemeinsam durchstehen würden.
Seitdem sehe ich Tristan wieder entspannt lächeln, wenn er sein Herrgöttli trinkt. Es gibt keinen Stress mehr mit Päckchen schnüren. Sein Freund hat jetzt einen Job, eine Wohnung und trinkt nicht mehr. Vielleicht gehen sie bald in die Ferien. Denn so läuft das doch in einer Beziehung.
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