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«Uni von unten vs. SIAF 1:0»
Lahme Studierende, die sich kaum für Politik interessieren – und schon gar nicht für die Unipolitik? – Denkste! Aktive Studierende verhinderten einen Vortrag von Vasella.
Wer gestern gegen 6 Uhr Abends aus der Uni trat, staunte nicht schlecht. Da hielten junge Männer und Frauen Transparente mit Aufschriften wie «Uni krepiert, weil Privatwirtschaft regiert» hoch und verteilten Flugblätter; im Wind flatterte eine schwarz-rote Fahne. Rund 30 Studierende sammelten sich gegen 17:15 vor dem Deutschen Seminar und zogen vor die Uni. Dort stiessen weitere hinzu, sodass bald rund 70 Studis demonstrierten. Eine vergleichbare Aktion hat es an der Uni Zürich schon länger nicht mehr gegeben. Dementsprechend überrascht reagierten Studierende und Dozierende, die den Demonstranten begegneten. Auch die Universität selbst hatte so etwas nicht erwartet, so beobachtete der Sicherheitschef der Uni – inkognito – mit Handy am Ohr die Szene aus dem Hintergrund.
«Vasella: Hau ab!»
Auslöser für diese Aktion war ein angekündigter Vortrag von Daniel Vasella – VR-Präsident des Pharmakonzerns Novartis und einer der am besten bezahlten Manager der Schweiz. Zu dessen Vortrag lud das Schweizerische Institut für Auslandforschung (SIAF), auch Jean-Pierre Roth (Schweizer Nationalbank) und Peter Brabeck-Letmathe (Nestlé) sollen in den nächsten Wochen an die Uni kommen. Kritisiert wird diese Veranstaltungsreihe vom Komitee «uni von unten», welches sich vor wenigen Wochen gegründet hat. Diese Gruppe kritisierte das SIAF in einer Medienmitteilung: Es biete Personen eine Plattform, «die ohnehin schon einen starken Einfluss auf die Hochschulen ausüben.» So sitzen ein Vertreter von Novartis und Roche im Universitätsrat der Uni Basel. Das ist nicht unüblich, auch im Zürcher Unirat sitzen Personen wie Hans-Ulrich Dörig (Vizepräsident des Verwaltungsrates der CS Group) oder Andreas Steiner (Präsident der Forschungskommission von economiesuisse). Es stösst aber einigen Studierenden sauer auf, «dass die Privatwirtschaft aber auf diese Weise Einfluss auf die Universität nehme». Das SIAF sei ein «schlecht getarnter neoliberaler Think-Tank», liess «uni von unten» verlauten. Auf seiner Homepage bezeichnet sich das Institut als «politisch und wirtschaftlich neutral». Das Komitee «uni von unten» plakatierte und verteilte am Montag an der Uni Flugblätter mit der Forderung, Vasella «einen gebührenden Empfang» zu bereiten. Bereits am Wochenende kam es zu Sprayereien an den Uniwänden mit der Botschaft: «Vasella: Hau ab!» Diese Aktionen zeigten offenbar Wirkung. Gestern Morgen, also nur wenige Stunden vor dem Vortrag, verschob das SIAF den Anlass auf unbestimmte Zeit.
«Ein voller Erfolg»
Diesen «vollen Erfolg» feierten die Aktivisten rund um das Komitee «uni von unten» vor dem Haupteingang lautstark mit Megaphon und Sprechgesängen. Viele der Passanten zeigten Verständnis für deren Anliegen, nur Vereinzelte störten sich am Aufmarsch oder darüber, dass der Vortrag von Vasella verschoben wurde. «Wegen euch Linken findet der Vortrag nicht statt!», sagte ein wütender Student, der für den Vortrag zur Uni gekommen war. Die «Linken» quittierten das mit einem zufriedenen Lächeln. Die Demonstrierenden setzten sich aus Studierenden der unterschiedlichsten politischen Kreise zusammen, und einige waren überrascht über ihre spontan gefundenen Gefährten. «Trotz kleinen politischen Differenzen sind wir uns in dieser Angelegenheit vollkommen einig. Wir sind selbst überrascht, wie viele Studierende hier teilnehmen. Hätte sich Vasella aber tatsächlich an die Uni getraut, wären wir noch viel mehr gewesen», sagte ein Aktivist. Nur zögerlich betrat der Grossteil der Gruppe um 18:15 das Unigebäude und bewegte sich ins Stockwerk F. Dort fand ein Business Lunch der CS statt. Den Antipathien gegenüber den CS Mitarbeitern in ihren Anzügen gab der Tross zwar in aller Deutlichkeit Ausdruck, böse Worte ernteten die Demonstrierenden aber nur von einem Latein-Professor, dessen Seminar gestört wurde und der mit hochrotem Kopf aus einer Tür blickte. Nach dem Besuch beim CS-Lunch löste sich die Gruppe auf. Das Aktionskomitee «uni von unten» versprach, nicht nur an einem allfälligen Ersatztermin des Vasella-Vortrages, sondern auch bei den weiteren Vorträgen des SIAF anwesend zu sein.
«Kein Kommentar»
Das SIAF wurde von dieser Aktion offenbar überrascht. Am frühen Nachmittag hiess es, man könne für die Verschiebung des Vortrages keine Gründe nennen. Die Vorwürfe der Gruppe «uni von unten» wollte das SIAF gegenüber der ZS ebenfalls noch nicht kommentieren. Erst später liess das SIAF per Medienmitteilung verlauten: «Nachdem mit Plakaten und Flugblättern in massiver Weise zu einem ‹gebührenden Empfang› aufgerufen wurde, ist die Veranstaltung nach Absprache mit der Universitätsleitung aus Gründen der Sicherheit für alle Teilnehmer des Abends verschoben worden.» Die Universitätsleitung bedaure, «dass diese Massnahme nötig wurde.» Auch die Universitätsleitung war für eine Stellungsnahme nicht erreichbar.
Links
Schweizerisches Institut für Auslandforschung
Kommentare:
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Analog zu den Fussballvereinen finde ich, dass das SIAF die Kosten für den Polizeieinsatz tragen sollte...B-Nut , 07.05.10 (vor 2 Jahre) Antworten
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Die sollten lieber studieren oder lernen,
die Jungbolschewisten!Karl Szabo , 06.05.10 (vor 2 Jahre) Antworten -
Ich finde es unerhöhrt, wie so wenige Studierende sich anmassen, für die Mehrheit zu sprechen. Ich fühle mich von der Uni von unten überhaupt nicht vertreten. Die sollen lieber arbeiten gehen statt draussen blöd zu tun.BJ , 06.05.10 (vor 2 Jahre) Antworten
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War der Spielplatz schon voll?Sersch , 06.04.09 (vor 3 Jahre) Antworten
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Peinlich!Dänu , 02.04.09 (vor 3 Jahre) Antworten
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