Filosophen fordern Fleischverbot

Von Pascal Ritter, 29. Juni 2011

Geht es nach der StuRa-Fraktion filo, gibt es in den Uni-Mensen schon bald kein Fleisch mehr. Ihr Antrag wird heute im Studierendenrat behandelt.

  • Für die meisten Studierenden eine Augenweide, der Fraktion filo ein Dorn im Auge. (Bild: PD)

Die Fraktion filo (3 Sitze) des StuRa hat mit der grossen Kelle angerührt. 16 Seiten dick ist der Antrag, den sie heute ins Studierendenparlament einbringen. Der Studierendenrat soll sich für eine fleischlose Mensa mit veganen – also völlig frei von tierischen Produkten – Menüs aussprechen. Begründet wird der Antrag mit einer Vielzahl an Fakten und philosophischen Überlegungen. 

Blick über den Tellerrand

Der Blick der Fraktion filo endet definitiv nicht am eigenen Tellerrand. In ihrer Resolution analysieren sie den Fleischkonsum von der Futterproduktion über ethische Aspekte der Tierhaltung bis hin zu den medizinischen Folgen für die Konsumenten. Sie schreiben, dass die ressourcenintensive Futterproduktion und die Haltung der Tiere schwere Folgen für das ökologische Gleichgewicht des Planeten habe und rechnen vor, dass eine vegetarische Ernährung bis zu 90 Prozent weniger Treibhausemissionen im Vergleich zu einer Mischernährung verursachen würde. Zudem sei die Fleischproduktion auch verantwortlich für die Abholzung des Regenwaldes und für den Wassermangel. Dringend für Menschen benötigte Nahrung werde Tieren verfüttert. «Nur unwesentlich weniger desaströs» sei die Produktion von Biofleisch. Vegetarier, die sich ausgewogen ernähren, würden zudem weniger häufig an den klassischen «Zivilsationskrankheiten» wie Diabetes oder Krebs erkranken. Deshalb sei es auch aus medizinischer Sicht vernünftig auf Fleisch zu verzichten.

«Menschen und andere Tiere»

Für die Fraktion filo ist auch der Mensch ein Tier. Den Menschen als höhere Spezies zu betrachten, der es erlaubt sei, eine andere Spezies zu verspeisen, bezeichnen sie als «Speziezismus», eine Art von Diskriminierung welche sich nach der Meinung der Autoren des Antrags auf der gleichen Stufe wie Rassismus und Sexismus befinde. Für sie ist Fleischkonsum sogar gleichwertig wie Kannibalismus an Säuglingen und Behinderten. Tiere hätten einen ähnlichen Bewusstseinsgrad wie diese, begründet die filo den Vergleich. Weil ebenso Tiere empfindungsfähig seien, hätten auch sie das Interesse eigenes Leid zu vermindern. Menschen und Tiere seien in Bezug auf dieses Bedürfnis moralisch gleichwertig und darum auch gleich zu behandeln, so die Fraktion filo.
«Wie wir uns selber, Sklaven, Juden, Frauen und andere vom Joch der Unterdrückung befreit haben, so müssen wir heute die Tiere von unserem globalen System der Instrumentalisierung, Ausbeutung und industriellen Verwertung befreien», schreibt die Fraktion filo in ihrem Antrag. Damit und mit einem umstrittenen Adorno zugeschriebenen Zitat, Auschwitz beginne da, «wo einer im Schlachthof steht und denkt: Es sind ja nur Tiere», begibt sich die Fraktion filo auf das heikle Terrain, unterdrückte Menschen mit Tieren zu vergleichen. Dass Sie mit ihrem Antrag provozieren, sind sich die Autoren des Antrags durchaus bewusst. Dies täten sie aber nicht «um der Provokation willen».

«ZFV widerspricht eigenem Leitbild»

Harsche Kritik üben die «Filosophen» auch am Mensabetreiber Zürcher Frauenverein (ZFV). Dieser verstosse durch sein Angebot an tierischen Produkten gegen das eigene Leitbild, in dem Ökologie, Nachhaltigkeit und Fair Trade zentrale Punkte seien. Der ZFV weist diesen Vorwurf gegenüber der ZS aber als «Unterstellung» zurück. In einer Stellungnahme schreibt Regula Pfister, Vorsitzende der Geschäftsleitung des ZFV und Mitglied der Mensakommission, dass die Mensabetreiber verpflichtet seien «eine möglichst ausgewogene, kostengünstige Verpflegung anzubieten». Nach «heutiger und allgemeingültiger Auffassung» gehöre dazu ein Fleisch-, Fisch-, aber auch ein vegetarisches Menü. Der ZFV unterstütze den Ausbau des vegetarischen Angebots, schreibt aber, dass es sich dabei nicht um vegane Menüs handle.
«Wir sind weder Polizisten noch Moralapostel, die unseren Gästen vorschreiben, was sie zu essen haben. Wir könnten uns nie hinter ein ausschliesslich vegetarisches und schon gar nicht ein veganisches Angebot stellen!», so Pfister. Trotzdem will sie den Antrag im Mensarat besprechen.

Über 50 Prozent wählen Fleischmenü

In der Mensa im Hauptgebäude entscheiden sich täglich 57 Prozent der Studierdenden für das Fleischmenü. Im Irchel sind es sogar 65 Prozent. Müssen diese künftig auf ihren Fleischkäse an Bratensauce verzichten? Kaum. Denn auch wenn der StuRa diesen Mittwoch dem Antrag der Fraktion filo folgen und sich für ein Fleischverbot in der Mensa aussprechen würde, muss der Antrag zuerst einmal die Mensakommission passieren. Dort hält der StuRa aber nur drei von elf Sitzen. Zudem hat Sonja Buchmann, Mitglied der skalp (11 Sitze) und StuRa-Vertreterin in der Mensakommission einen Gegenvorschlag formuliert. Das länger schon umstrittene Fischmenü soll abgeschafft und ein veganes Menü eingeführt werden. Das Fleischangebot bleibt im vermutlich konsensfähigeren Gegenvorschlag unangetastet. Der StuRa berät heute Mittwoch über die Anträge. Nachtrag - Antrag abgelehnt, Gegenvorschlag angenommen
Der Antrag von der Fraktion filo wurde vom Studierendenrat gestern Abend abgelehnt. Damit hat der StuRa ähnlich abgestimmt wie unsere LeserInnen auf Facebook. Konsensfähig war dafür der Gegenvorschlag, die StudierendenvertreterInnen haben dem Vorschlag von Sonja Buchmann (skalp, Mensakommission) zugestimmt. Der StuRa fordert die Betreiberin der Mensa (ZFV-Gastronomiegruppe) und die Unileitung zu folgenden Punkten auf:
1. Eine bessere Kennzeichnung der verwendeten Lebensmittel/Inhaltsstoffe (zB. Gluten, Glutamat, Eier, Milch, Nüsse)
2. Eine Vergünstigung des Salat – und Gemüsebuffet durch einen Pauschalpreis
3. Die Einführung eines täglichen veganen Menüs
4. Die Einführung eines vegetarischen Tages pro Woche
5. Die Verwendung von Fisch aus nachhaltiger Produktion für das Fischmenü.
[zac]

Kommentare:

  • Mein Gott..... der StuRa hat schon furchtbar wichtige Probleme...
    Fleischfresser , 28.06.11 (vor 11 Monat) Antworten
  • Nur damit keine Missverständnisse entstehen: Bei den Vergleichen mit der Unterdrückung von und den Verbrechen an Menschen geht es keineswegs darum, irgendetwas zu verharmlosen. Das kann man nur meinen, solange man Speziesist ist und denkt: Ah, wenn das mit der qualvollen Massentötung der Tiere auf einer Stufe steht, dann dürften wir das also auch mit den Menschen machen, z.B. mit Säuglingen oder geistig Behinderten, die kognitiv auf der Stufe der \"Nutz\"tiere stehen? Eben gerade nicht: Ein bei lebendigem Leibe aufgeschlitztes Schwein steht einem Säugling oder einem geistig Behinderten mental in nichts nach. Wie können wir ihm das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit bloss absprechen? Sieht es \"falsch\" aus, hat es eine \"falsche\" Haut oder Kopfform? Das wäre eine unhaltbare Diskriminierung aufgrund seines Aussehens bzw. körperlichen Andersseins.
    Zlatko , 27.05.11 (vor 12 Monat) Antworten
  • http://www.youtube.com/watch?v=E8Ilr_YtEjs
    haha , 18.05.11 (vor 1 Jahr) Antworten
  • http://www.youtube.com/user/EpicMealTime?blend=8&ob=5
    Epic Meal Time , 18.05.11 (vor 1 Jahr) Antworten

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