Uni besetzt, Tag 1 bis 3

Von: Patrice Siegrist, Corsin Zander

, 19.11.09

Am Dienstag, dem 17. November besetzte eine Gruppe Studierender den Hörsaal KOH-B-10 der Uni Zürich. Hier unsere Live-Berichterstattung bis Donnerstag Nacht.

01:25 Uhr

Als um 00:55 Uhr das Plenum geschlossen wurde, befanden sich noch immer mehrere Dutzend Studierende im besetzten Hörsaal KOH-B-10. Den Livestream, welcher das ganze Plenum live (ohne Ton) sendete, schauten sich zwischenzeitlich fast 80 (am Ende noch über 40) Interessierte an. In dem Chat beim Livestream wurde ebenfalls debatiert. Die alternativen Vorlesungen waren heute zwischenzeitlich sehr gut besucht. Das Interesse und Bedürfnis nach dieser Debatte scheint bei vielen Studierenden da zu sein.

Dies deckt sich mit den Eindrücken, die wir heute an der Uni gewinnen konnten. Überall wird über die Besetzung, das Studium und die Bolognareform diskutiert. Es waren aber auch sehr viele kritische Stimmen zu vernehmen und es wird sich zeigen, ob es dieser Bewegung gelingt, noch weiter anzuwachsen.

Bisher ist noch unklar, wie lange die Besetzung dauern wird. Die BesetzerInnen werden auf jeden Fall noch über das Wochenende bleiben. Bisher akzeptierte der Rektor der Uni Zürich den momentanen Zustand und gewährte auch den Raum. Ob er dies weiterhin tut, wird sich zeigen. Er lud für heute Freitag einige VertreterInnen zu sich ins Büro ein. Diese Einladung lehnte das Plenum ab und lud seinerseits den Rektor zu einem Plenum ein. Ob Fischer dieser Einladung nachkommt, ist momentan noch unklar.

Das heutige Programm sieht folgendermassen aus (Änderungen vorbehalten):

- 10:00 Uhr: Diskussion zur Bologna-Reform

- 12:00 Uhr: Plenum

- 14:30 Uhr: Deutschkurs vom “Verein Bildung für Alle”

- 16:00 Uhr: Alternative Politik-und Soziologieveranstaltung:  “Bleiberecht für Alle” - Podium und Film: Sans-Papiers und Unterstützende berichten über ihre Erfahrungen und die politischen Hintergründe.

- 18:00 Uhr: Alternative Vorlesung mit Alex Demirovic der Technischen Universität in Berlin.

Tag 3

22:40 Uhr - Plenum

Der Hörsaal bleibt auch am Wochenende besetzt. Morgen wird es zudem wieder Vorträge geben. Infos über die genauen Zeiten folgen.

22:30 Uhr - Plenum

Der Hörsaal ist noch immer gut gefüllt und es wird angeregt diskutiert. Über 70 Interessierte verfolgen das Plenum per Livestream, beklagen sich aber über den fehlenden Ton.

22:05 Uhr - Plenum

Das Plenum hat seinen Betrieb mittlerweile wieder aufgenommen. Es deutet alles daraufhin, dass der Hörsaal auch über das Wochenende besetzt bleibt. Die Aktivisten wollen weiter an ihrem Protest festhalten und sowohl Forderungen als auch Vorschläge ausarbeiten.

21:00 Uhr - Plenum

Das Plenum pausiert. Um 21:30 Uhr soll es weitergehen. Das Diskussionsthema ist die Strategie der nächsten Tage bezüglich der Besetzung.

20:00 Uhr - Plenum

Ein Videostream soll per sofort aus dem KOH-B-10 gesendet werden, wenngleich ohne Ton.

www.ustream.tv/channel/unsereunizh

19:45 Uhr - Plenum

Nachdem das Plenum beschlossen hat, per Livestream aus dem KOH-B-10 zu senden, informiert die AG Strategie über die Resultate des Tages.

18:50 Uhr - Plenum

Die deutsche Bildungsaktivistin Franzi tritt vor das Plenum. Sie ist von der Uni Konstanz, in der seit gestern der Senatsaal besetzt ist. Sie informiert über den Bildungsstreik in Deutschland.

18:30 Uhr

Das Plenum beginnt mit einem kurzen Video über die bisherigen Ereignisse im Rahmen der Besetzung an der UZH. Rund 300 Studierende sind bisher zum Plenum erschienen.

18:05 Uhr

So langsam füllt sich der besetzte Hörsaal KOH-B-10 für das Plenum.

16:10 Uhr

Mit ein wenig Verspätung wird der nächste Redner um ca. 16:15 vor das Plenum treten. Referent ist Gewerkschaftsaktivist Rainer Thomann. Er war in der Betriebsbesetzung der SBB Cargo in Bellinzona involviert. Der Hörsaal ist immer noch mit rund 100 Studierenden besetzt.

14:20 Uhr

Etwas verspätet beginnt die alternative Vorlesung. Etwa 100 Studierende hören Michaels Ausführungen über Demokratie und Bildung zu. Michael ist ein Historiker der Autonomen Schule Zürich.

Die zweite alternative Vorlesung des Tages ist gemäss Programm auf 16:00 Uhr angesetzt. Der Gewerkschaftsaktivist Rainer Thomann wird über die Betriebsbesetzung in Bellinzona referieren.

10:40 Uhr - Plenum

Das Plenum ist zu ende. Die Studierenden haben den Rektor zu einem Gespräch im Hörsaal eingeladen. Dies soll morgen stattfinden. Ebenfalls für Freitag wurde ein Redebeitrag des Deutschen Politologen und Bologna-Kritikers Alex Demirovic angekündigt. 

Im Mittelpunkt stand vor allem das Thema der Mobilisierung. Zum einen kam der Vorschlag, dass Musiker während den Pausen für mehr Aufmerksamkeit sorgen sollen und dass unbedingt mehr geflyert werden muss. Auch die AGs benötigen mehr Hilfe. Es gebe noch viel zu tun und jede Hilfe sei willkommen und nötig.

Die Protestierenden widmen sich wieder ihrer Arbeit in den AGs und der Hörsaal hat sich wieder geleert. 

 

10:15 Uhr - Plenum

Zögernd kommen immer mehr Leute in den Hörsaal. Für das Morgenplenum versammeln sich in etwa 60 Personen im Saal. Das Plenum beginnt. "Auch die Uni Bologna wurde besetzt!" - Applaus!

Der Tagesplan wird noch einmal wiederholt und bestätigt. Zudem wurde bekannt, dass das Abendplenum von einer deutschen Aktivistin eröffnet wird.

09:55 Uhr

Tag drei der Besetzung. Das Plenum soll um 10:00 Uhr beginnen. Es sind aber noch kaum Leute im Saal. Die Protestierenden sind noch unterhalb des Lichthofs und versuchen Leute zu mobilisieren.

01:05 Uhr

Mittlerweile haben die meisten Aktivisten ihre Betten im KOH-B-10 bezogen. Nach einem engagierten Tag sind sie bestimmt froh um die Bettruhe. In zahlreichen verschiedenen - und für alle Studierenden offenen - AGs wurden diverse Dinge diskutiert. Im gut besuchten Abendplenum stellte die AG Forderungen ihre Resultate vor. Die Diskussion verlief sehr engagiert. Wenngleich die Positionen im Saal teilweise unterschiedlich waren, konnte doch für einige Punkte per Mehrheitsentscheid ein Konsens gefunden werden. Mit diesen Forderungen sollen nun noch weitere Studierende mobilisiert werden.

Das weitere Programm:

10:00 Uhr: Offenes Plenum

12:00 Uhr: Mittagessen

14:00 Uhr: Alternative Vorlesung - Demokratie und Bildung (mit Michael, Historiker der Autonomen Schule Zürich).

16:00 Uhr: Alternative Vorlesung - Betriebsbesetzungen in Bellinzona (mit Rainer Thomann, Gewerkschaftsaktivist)

18:15 Uhr: Offenes Plenum

Wir werden euch mit regelmässigen Informationen auf dem Laufenden halten. Für detailliertere Informationen: Infopoint unterhalb des Lichthofes im Hauptgebäude der Uni Zürich.

 

Tag 2

21:45 Uhr - Plenum

Die Pause ist vorüber. Noch immer werden die heutigen Resultate der AG Forderungen diskutiert. Danach soll der morgige Tag besprochen werden.

21:00 Uhr

Das Plenum pausiert für eine Stunde. Der grosse Teil der noch immer zahlreichen Aktivisten nutzt diese Pause, um etwas zu essen.
Um 21:30 wird die Diskussion wieder aufgenommen. Thema: Wie geht es weiter, was sind morgen für Aktionen/Themen geplant?

20:50 Uhr - Plenum

Die Resultate der AG Forderungen wurden ausführlich diskutiert. Das Plenum findet in folgenden Punkten zu einem Konsens (Mehrheitsentscheide):

- Mehr Geld für Bildung und Forschung

- Keine Macht privatwirtschaftlicher Interessen in der Bildung und öffentlichen Forschung

- Abschaffung der Präsenzzeiten

19:55 Uhr - Plenum

Die AG Forderungen gibt Resultate des Tages bekannt:

- Mehr Geld für Bildung und Forschung

- Keine Macht privatwirtschaftlicher Interessen in der Bildung und öffentlichen Forschung

- Bologna analysieren und reformieren

- Eine verfasste Studierendenschaft (SUZ)

- Erweiterung der Infrastruktur

17:30 Uhr

Nach der grossen Diskussion, in der ein Aktivist der - ebenfalls besetzten - Uni Genf zu Gast war, beginnt um 18:00 das Plenum.

16:20 Uhr

Im KOH-B-10 wird diskutiert. Derweil wird die immer noch verschlossene Aula von elf Securitas bewacht. Die Wachmänner verbringen einen ruhigen Nachmittag. 

16:10 Uhr

Die Diskussion beginnt um 16:15 Uhr. Soeben sind noch zusätzlich rund 30-40 Interessierte in den besetzten Hörsaal geströmt. In der ganzen Uni werden Flyer verteilt, die auf die Plenumssitzung um 18.00 Uhr hinweisen.

13:30 Uhr

Wir pausieren unseren Live-Blog fürs Erste und möchten noch auf das Interview des Tages-Anzeigers mit der Sprecherin der Uni, Christina Hofmann, hinweisen.

Die Aula ist immer noch geschlossen und Securitas patrouillieren durch die Uni.

12:10 Uhr

Schaulustige kommen immer wieder im besetzen Hörsaal vorbei. Sie bleiben aber auf Distanz und mischen sich nicht in die Diskussion ein. Dies versucht der Moderator zu ändern und fordert sie konkret auf, in den Diskurs einzusteigen. Bis jetzt sind aber kaum noch zuschauende Studierende darauf eingegangen. Zur Zeit befinden sich rund 30 Protestierende in einer angeregten Diskussion. Klare Forderungen konnten sich noch keine herauskristallisieren. Dies wird wohl auch noch ein längerer Prozess bleiben, da zuerst noch Grundsatzdiskussionen geführt werden müssen.

Der Rest beschäftigt sich mit der Medienflut, mit Flyern und hält sich oberhalb des Lichthofs bei den Infoständen auf. 

10:40 Uhr

Die Plenumsitzung ist vorbei. Das Kollektiv hat sich auf einen Tagesablauf geeinigt und weiterhin wichtige administrative Fragen geklärt oder in Angriff genommen. In der Ordnungsfrage wird an die Eigenverantwortung appelliert, da sonst die Verantwortung schnell abgeschoben wird und dies negative Effekte haben könnte. Auch ungewünschte Effekte von ideologischen Symbolen auf Transparenten waren ein kontroverses Thema. Das Kollektiv setzt sich aus vielen Individuen zusammen, welche alle ihre persönlichen Meinungen und Ideologien vertreten. Diese müsse man aber in den Hintergrund stellen und geschlossen auftreten.

Tagesablauf:

Ab Jetzt: offene Diskussionsrunde

14:00: Workshops/kleinere Diskussionsrunden

16:00: Weiterführen der Diskussionsrunde

18:00: Plenum

09:25 Uhr

Ein grosser Teil des Plenums wünscht nicht, dass Medien die Möglichkeit bekommen Gesichter zu filmen oder zu fotografieren. Man will nicht riskieren, durch unbeabsichtigte Medienauftritte Probleme zu bekommen. 

09:10 Uhr

Ab heute 14:00 Uhr finden Workshops/Diskussionsgruppen im kleineren Rahmen statt.

09:05 Uhr

Die AG Inhalte erläutert ihr nächtliches Schaffen. Bildung sei ein wesentlicher Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft. Da ist man sich einig. Im Plenum wird diskutiert, wie und wann das Kollektiv jedoch eine grosse Inhaltsdiskussion führen soll. Um 10 Uhr findet nun eine offene Diskussionsrunde stattfinden um schnellst möglich einen gemeinsamen Nenner zu finden. Denn obwohl man sich in den Kernpunkten einig ist, gehen in den Detail-Fragen die Meinungen auch auseinander.

08:44 Uhr

Die Plenumsitzung hat begonnen. Bereits beschlossen wurde, dass ab jetzt Transparente mit dem Plenum abgesegnet werden sollten.

08:25 Uhr

Vertreter der AGs halten eine Sitzung ab. Seit 08:00 Uhr besprechen sie die Traktanden. Nach der ersten Nacht steht die Sitzung im Plenum an. An der ganzen Uni wird durch Flugblätter und Transparente auf die Besetzung aufmerksam gemacht. 

02:30 Uhr

Im Hörsaal ist das Licht aus. Überall haben es sich Studierende mehr oder weniger gemütlich gemacht um Kraft für den nächsten Tag zu tanken, egal ob direkt auf dem Boden, auf Holzbänken, auf Campingmatten oder auf den schon fast luxuriösen Matratzen ganz vorne im Saal. Oberhalb des Hörsaals schallt immer noch Musik aus den Boxen. Viele sind noch nicht müde und malen weiter fleissig Transparente, planen den morgigen Tag und lassen das Geschehene Revue passieren.

Es regnet draussen. Der Wachtmann mit seinem Schäferhund dreht immer noch seine Runden vor den Rauchenden. Auch ein Kastenwagen ist zu erspähen. Doch momentan bleibt alles ruhig. Ist es die Ruhe vor dem Sturm oder wird der Protest keinen Anklang finden? War dies bereits die Spitze des Protests? In der Früh wird sich zeigen wie sich die Lage weiter entwickelt. 

01:02 Uhr

Die Polizei hat bis anhin nicht eingegriffen. Die Arbeiten in den AGs tragen erste Früchte. Spontan wurden alte Bettlaken und Spraydosen organisiert und die Anzahl Transparente im Hörsaal nimmt stetig zu. «Wien, London, Paris, Barcelona, Rom, ZÜRI...», «Für eine selbstbestimmte Uni - Räteuni statt Uniräte» und «Internationale Solidarität - Bologna kippen» zieren die in grellem Neonrot leuchtenden Wände.

00:36 Uhr

Kastenwägen der Polizei kurven mit Blaulicht (ohne Ton) um die Uni.

00:30 Uhr

Die Studierenden sind überrascht. Kaum einer hätte heute Morgen gedacht, dass für das offene Plenum um 16:00 Uhr der «Haribo-Hörsaal» mit über 400 Studierenden gefüllt sein würde. Doch dies traf ein. Kaum haben die meisten Platz genommen heisst es schon: «Die Uni Bern wurde besetzt!» Tosender Applaus.

Um 16:20 Uhr beginnen zwei kurzen Reden von Aktivisten aus Basel und Wien. Die geschilderten Erfahrungen und das Gefühl etwas verändern zu können, lässt Unruhe im Saal aufkommen. Die Aufmerksamkeit gilt bei kaum jemandem mehr der dritten Rede des Denknetzes. Als dann die Meldung kommt, dass die Uni Genf ebenfalls besetzt sei, dauert es nicht lange und das Plenum beginnt, über eine Besetzung in Zürich zu sprechen. Es folgt eine längere Diskussion über Ort, Zeitpunkt und Sinn einer solchen Aktion. Um 18:50 Uhr ist der grösste Hörsaal der UZH für besetzt erklärt. Was die meisten für unmöglich gehalten haben, ist Tatsache geworden. 

Tag 1

23:40 Uhr

Es wird diskutiert, Karten gespielt, getrunken und unter aufmerksamen Blicken eines Schäferhundes und dessen Herrchen vor dem unteren Eingang (der Richtung Stadt bleibt offen) geraucht. Die Stimmung ist angenehm friedlich.

22:10 Uhr

Immer mehr Matratzen für das Schlaflager treffen ein. Die Suppe ist gekocht und auch Musik hallt durch die leere Uni.

21:45 Uhr

Die erste Plenumsitzung ist vorbei. Die AGs sind gebildet und in spezifizierten Gruppen arbeitet man nun Vorgehensweisen, Pläne und Lösungen aus. Zentrale Punkte der Sitzug waren der Umgang mit den Medien, die grundsätzliche Organisation von Essen, Abfall, Veranstaltungen und natürlich das Ausarbeiten eines Zeitplans. Vertreter der Uni Wien helfen dem Plenum mit Inputs ihren Erfahrungen.

Ganz nach dem Motto «ohne Mampf kein Kampf» wird bereits jetzt aus einer provisorisch aufgestellten Küche Essen ausgeschöpft.

Im StuRa werde mittlerweile die Aktion kontrovers behandelt. 

18:50 Uhr

Die Uni Zürich ist besetzt. Die Studierenden solidarisieren sich mit Unis in ganz Europa. Im Zentrum der Kritik steht das Bologna System. Im grossen Plenum wurde beschlossen, dass der grosse «Haribo-Hörsaal» (KOH-B-10) auf unbestimmte Zeit in den Händen der kämpfenden Studierenden bleibt.

 Besetzer räumen den Gummibärlisaal - 28-11-09 19:18
 Uni Zürich besetzt, Tag 8 bis 11 - 27-11-09 17:00
 Die Fackeln sind erloschen - 27-11-09 09:08
 Uni besetzt, Tag 4 bis 7 - 23-11-09 17:49

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