Argentinisches Theater mit Behinderung
Nach zwei Jahren Vorbereitung und zwei Odysseen hat es die studentische Organisation KfE geschafft. Zwölf geistig behinderte Schauspieler und Schauspielerinnen aus Argentinien sind in Zürich angekommen. Ihr Austauschprojekt «Theater mit Behinderung» ist im vollen Gange.
Vergangenen Sonntagabend kamen sie in Zürich an. Die Schauspieler zwischen 20 und 45 Jahren nahmen mit vier Betreuern eine lange Reise auf sich, um mit Ihrer Bühnenproduktion «Tanguearte» im Rahmen des Internationalen Theaterfestival Okkupation in Zürich auf der Bühne zu stehen. Ermöglicht hat ihnen dieses einmalige Erlebnis die studentische Organisation Kommission für Entwicklungsfragen (KfE). Die drei Studentinnen Julia Heer, Laura Sergi und Valeria Hermann bilden die Arbeitsgruppe für das Projekt Argentinien.
Odyssee auf der Suche nach Geld
Vor zwei Jahren sprang die Idee aus dem Ei, nachdem Heer, Vorstandmitglied der KfE, auf Ihrer Reise in Argentinien die Behindertenorganisation Cre-Arte kennengelernt hatte. Zurück in Zürich kümmerte sie sich um die Zusammenarbeit der KfE mit Cre-Arte. Ein Betreuer von Cre-Arte nahm vor Ort mit dem Theater Hora (Theater für Behinderte in Zürich und Initiant des Theaterfestivals Okkupation) Kontakt auf und sicherte seiner Theatergruppe einen Platz auf einer der Festivalbühnen. Die KfE ermöglichte schliesslich diesen Austausch «Theater mit Behinderung», indem sie nach den finanziellen Mitteln suchte. «Dies war schwieriger als gedacht», sagt Sergi. «Es ist ein Projekt, das Kultur mit Sozialem vermischt. Da gäbe es eigentlich viele Stiftungen, die dies unterstützen könnten.» Dennoch erhielten sie etliche Absagen. Gründe dafür seien fehlendes Budget oder mangelndes Interesse an ausländischen Organisationen. Erst vor einem Jahr war durch den grosszügigen Beitrag der Fondation Alta Mane, der Schweizerischen Gemeinnützigen Stiftung und der zugesprochener Summe aus dem Fond der KfE genug Geld zusammen, dass die drei Studentinnen mit der genauen Planung beginnen konnte. Im Januar buchten sie die Flugtickets. Zu diesem Zeitpunkt war aber vieles noch unbezahlt. So fehlte immer noch Geld für die Unterkunft, das Essen und die Benützung des öffentlichen Verkehrs. Letzteres übernahm schliesslich der VSETH. Zusammen mit dem Beitrag der Jakobs Foundation und der Katholischen Kirche Kanton Zürich waren allmählich alle Kosten knapp abgedeckt. «Für Glacé-Essen reichts dann halt nicht mehr, aber wir alle sind glücklich, dass wir es überhaupt soweit geschafft haben.»
Odyssee auf dem Weg nach Zürich
Als ob diese hartnäckige Suche nach Sponsoren nicht schon genug an der Frustrationstoleranz der drei Verantwortlichen genagt hätte, ging dann bei der Reise selbst noch einiges schief. Der Flug hatte Verspätung, sodass die Reisenden den Zug von Frankfurt nach Zürich verpassten und schliesslich 24 Stunden später als geplant hier ankamen. Dies kostete allen Beteiligten nicht nur viel Energie sondern auch wieder eine Menge Geld. Wie die KfE für diese Umkosten aufkommt, weiss sie noch nicht. Noch frustrierender findet Sergi aber, dass sie nun nicht für das ganze geplante Wochenprogramm Zeit haben werden. So mussten sie den Austausch mit den Behinderten des Theater Hora abblasen. Alle Schauspieler hätten einen Tag lang zusammen Theater gespielt, je einen halben Tag unter der Leitung der Cre-Arte und des Theater Hora. Dieser Austausch wäre für die Behinderten sowie die Betreuer sehr bereichernd gewesen. Nichtsdestotrotz gilt es jetzt nach vorne zu schauen und das Beste daraus zu machen. «Wir werden spontan sehen, wie die Woche weiter verläuft. Es ist wichtig, dass wir auf das Befinden der Behinderten achten und ihnen auch genügend Zeit lassen um sich auszuruhen und auf die Vorstellung vorzubereiten.»
Cre Arte (Arg) – Tanguearte
Di. 16. + Mi. 17. Juni, 20.00 h Casino-Saal Aussersihl
«Von den Ursprüngen um 1800 bis heute, von «El Choclo» bis zu aktuellen musikalischen Experimenten zwischen «Gotan Proyect» und «Bajo Fondo» führt die musikalisch-theatrale Reise, die die Entwicklungsgeschichte des Tango mit soziokulturellen Wendepunkten in der Geschichte Argentiniens verwebt. Hervorgegangen aus einem Bildungs- und Kulturzentrum für behinderte Menschen in Patagonien, feiert Cre-Arte mittlerweile auf Festivals in ganz Argentinien Erfolge und gastiert nun erstmals in der Schweiz – ohne Worte, mit viel Körperlichkeit und der wunderbaren Musik renommierter argentinischer sowie ausländischer Tango-Komponisten.»
Kommission für Entwicklungsfragen
Cre-Arte: Centro Educativo y Cultural para personas con Discapacidad



Das ist eine lobenswerte Initiative. Ins Theater gehe ich sehr gerne und wäre interessant für mich, diese Schauspieler zu sehen.
bianca - Dienstag, 24-11-09 10:43