Ein Kinderheim im Herzen der Welt

Von: Nina Janggen, Tamara Horn, Meret Ruggle

, 30.12.09

Meret mit Kindern aus Quito. (Bild: Ñeque Schweiz)

Meret war bei Ñeque y más Ñeque eine grosse Hilfe. (Bild: Ñeque Schweiz)

Gerne posieren die Kinder und Jugendlichen aus dem Barrio «El Comité del Pueblo» für ein Foto. (Bild: Ñeque Schweiz)

Meret, Tamara und Nina überweisen erstmals einen grösseren Geldbetrag nach Ecuador. Die drei Ethnologie Studentinnen haben vor drei Monaten zur Unterstützung eines ecuadorianischen Kinderheims den Verein Ñeque Schweiz gegründet. Für die ZS berichten sie von ihren Erfahrungen.

Uns drei verbindet eine grosse Faszination für Südamerika. Seitdem wir in Ecuador (Meret und Tamara) und Peru (Nina) gelebt haben, lässt uns dieser Kontinent nicht mehr los. Auf ausgiebigen Reisen und vor allem bei Sozialpraktika lernten wir Land und Leute kennen. Meret war in der Stiftung Ñeque y más Ñeque in Quito als Volontärin engagiert. Sie half bei der Betreuung von rund hundert Kindern aus einer armen Gegend im Norden Quitos. Es war kein Geheimnis, dass die Stiftung mit grossen finanziellen Problemen zu kämpfen hatte. Das Ñeque ist zwar staatlich anerkannt, kann von Subventionen aber nur träumen – dafür fehlt es Ecuador an Zeit und Mitteln. Zumindest hatte Meret Zeit und die Mittel wollte sie beschaffen. Zusammen mit Nina und Tamara entschied sie sich, einen Verein auf die Beine zu stellen, um der ecuadorianischen Einrichtung etwas beisteuern zu können.

 

Am Anfang kämpften wir uns durch einen bürokratischen Dschungel. Niemand von uns war mit Themen wie Buchhaltung, Vereinsstatuten und Budgetplänen vertraut. Doch nach einigen hochoffiziellen Sitzungen in der Uni Irchel und mehreren Litern Kaffee hoben wir im letzten September den Verein Ñeque Schweiz aus der Traufe. Motiviert und ohne Erwartungen stürzten wir uns in die anfallenden Arbeiten, gestalteten Flyer und Homepage. Drei Monate später können wir auf einen beachtlichen Erfolg zurückblicken. Dies macht uns Mut.

Bisher beschränkten wir uns auf Werbung im Familien- und Freundeskreis. Jetzt möchten wir einen Schritt weiter gehen und Ñeque Schweiz einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen. Die Finanzkrise macht uns die Arbeit natürlich nicht gerade leicht. So sprang beispielsweise eine italienische Gemeinde, welche bisher die grössten Kosten der Stiftung getragen hatte, aufgrund der Krise ab. Doch wir lassen uns davon nicht unterkriegen und legen uns nun dafür umso mehr ins Zeug.

Hilfe in schwierigen familiären Verhältnissen

Die Stiftung Ñeque y más Ñeque befindet sich im Barrio «El Comité del Pueblo», einem Viertel, das stark von Gewalt und Kriminalität geprägt ist. Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis achtzehn Jahren besuchen täglich einen halben Tag das Haus der Stiftung, wo sie von ausgebildetem ecuadorianischem Personal betreut werden. Die meisten unter ihnen stammen aus schwierigen sozialen und familiären Verhältnissen und wachsen in einem Umfeld auf, das ihnen nicht viel Spielraum für den Traum von einem besseren Leben lässt. Waffen und Gewalt kennen sie nicht nur aus dem Fernsehen. Deshalb bietet ihnen Ñeque y más Ñeque eine begleitende Unterstützung zum Schulunterricht und sinnvolle Alternativen zur Gestaltung der Freizeit. Die Kinder und Jugendlichen erledigen täglich die Hausaufgaben, lernen nützliche häusliche Tätigkeiten oder besprechen wichtige soziale und moralische Fragen. Darüber hinaus bekommen sie in der Stiftung ein Mittagessen, das in den meisten Fällen ihre einzige warme Mahlzeit bleibt.

 

Meret erklärte den Kindern bei Ñeque y más Ñeque Mathematikformeln und englische Grammatik. Dabei lernte sie aufgestellte und stets lachende Kinder kennen. Hinter diesem Lachen versteckten sich viele Geheimnisse. Geheimnisse von brutalen Verhältnissen, die zur Realität von fast allen Kindern jenes Viertels gehören. Nicht zuletzt deswegen ist diese Stiftung notwendig und hilfreich: Sie setzt nicht nur bei der Erziehung und Bildung der Kinder an, sondern geht noch weiter, indem sie ihnen etwas anbietet, was die Kinder sonst nicht hätten: Eine Art Zuhause, Betreuerinnen, deren Vertrauen sie geniessen, Freunde, mit denen sie dem unbeschwerten Leben der Kindheit zumindest teilweise frönen können. So setzen wir uns weiterhin dafür ein, dass Ñeque y más Ñeque den Jugendlichen das Leben ein wenig erleichtern kann. Auch diese Kinder sollen unbeschwert lachen und träumen dürfen.

Jeder Rappen zählt – auch bei uns!

Unser Grundsatz ist: Schon mit wenig Geld lässt sich viel erreichen. Wer welche Menge spendet, ist Nebensache. Für unsere ehrenamtliche Arbeit fallen keinerlei Kosten an, und so schicken wir 100% aller Spenden nach Ecuador – sei dies in Form einer einmaligen Spende oder einer Mitgliedschaft. Wir freuen uns über jede Spende!

 

www.neque.ch

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