Absätze

Es gibt kaum ein Ding auf dieser Welt, das je höher, je schöner wird. Und je edler, umso dünner und filigraner daherkommt: Es geht um Absätze. Sie gehören zur alltäglichen studentischen Mode wie das Skript zur Vorlesung. Schade ist nur, dass sich die Hochschulen von Zürich überhaupt keine Mühe geben, die zürcherische Studentinnenlandschaft edler und schöner zu machen.

Erstes Beispiel: Die Lego-Container-Provisorien im Zentrum. Wenn frau dort mit Absätzen reinspaziert, dröhnt das ganze Gebäude. Hohe Absätze sollen grazil und nicht brachial wirken. Wenn das ganze Mobiliar zittert, sobald eine Studentin reinspaziert, ist das zuviel. Höchste Zeit, sämtliche Böden schalldämpfend und damit absatzfreundlich zu bauen. Das sollte in die Bauverordnungen!

Zweites Beispiel: Tramhaltestellen. Die bestehenden Trottoirs und Tramschienen degradieren Schuhträgerinnen mit Absätzen zu Hampelfrauen. Wer über die Geleise stöckelt, sieht einfach wie ein Clown auf Stelzen aus. Kann man es wirklich den Frauen anlasten, mit den Absätzen in den Schienen hängenzubleiben und einen Tramtod zu sterben? Diese Todesfallen müssen absatzsicher umgebaut werden. Dasselbe gilt für Pitbulls: Beissopfer können ja wohl kaum dafür verantwortlich gemacht werden, auf der Flucht mit Absätzen hinzufallen. Die Pitbulls müssen weg.

Drittes Beispiel: Treppenhäuser. Ist es so schwer, sich vorzustellen, was für eine Knochenarbeit drei Stockwerke mit 10-Zentimeter-Absätzen sind? Es ist ja wohl Schikane, dass, wer sich edel und schön kleidet, Probleme mit dem Treppensteigen haben soll. Im Dienst der modischen Verschönerung der Uni: Wir brauchen mehr Lifte!

Nun ja, trotz der Lobhudelei trägt MM natürlich keine Absätze. Die sind für die Frauen reserviert. Doch auch MM setzt sich für die feministische Sache ein.

Rollmöpse

Der Gürtel ist ein sehr funktionales und sehr dezentes Kleidungsstück. Leider hat der Wildwuchs der modernen Mode auch hier Einzug gehalten. Ein Gürtel sollte ursprünglich folgende unterschwelligen Botschaften transportieren: bei Frauen Jungfräulichkeit, Keuschheit und ein Gefühl von Unerreichbarkeit. Bei Männern, Kraft, Ausdauer und Potenz. Schliesslich trug die Elite des Mittelalters das Schwert am Gürtel – ein Zeichen von Mehrbesseren.

Was MM nicht in den Kopf will, ist, warum sich junge, hübsche Frauen in letzter Zeit armdicke Lederbänder um den Bauch schnüren. Was «in» ist, schlich sich in den letzten Jahren schleichend den Bauch hinauf in Richtung BH und hat sich dabei vertikal verbreitert. Es gibt da an der Universität Zürich ganz niedliche Studentinnen. Doch direkt unter den Brüsten tragen sie silberne, pinke oder hellblaue Monstergürtel. MM meint damit nicht diejenigen Dinger, die in den Pendelblättern als Superschlankmacher die Seiten zieren. Sondern die, welche häufig mit Make-up durchorchestrierte Jus- oder Wirtschaftsstudentinnen um-, ja fast verschlingen. Das geht nun gar nicht. Was wollen uns diese Mädchen mitteilen? Jungfräulichkeit, Keuschheit, aber eben geklotzt statt gekleckert? Wie soll man über den Bauchnabel Jungfräulichkeit suggerieren können? Statt «noch kein Sex» sagen uns die doch «noch kein Kind». Mal abgesehen davon, dass es einfach schlecht aussieht. Übelst schlecht. Wie Rollmöpse, die ohne Halt auch auseinanderfallen würden. Diese Gürtel sind auch kein Mittel, um irgendwelche Unschönheiten zu kaschieren. Sie sind nicht einmal praktisch. Sowas ist einfach dumme Mode.

Bei den Männern blieb der Gürtel zum Glück auf der Gürtellinie – bis heute jedenfalls. Wer weiss, was da noch auf uns zukommt. Trotzdem trägt MM weiterhin Gurt – mit einer dezenten Prise Potenz. Und einfach darum, um die Hose am richtigen Platz zu halten. MM ist ja schliesslich keine Frau. Und keusch schon gar nicht.

Loser tragen T-Shirts

Männer tragen Hemd oder Polo. Weicheier tragen T-Shirts. Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Metaphern für die Diskrepanz zwischen dem edlen Kleidungsstück und den kunterbunt bedruckten Baumwolllappen zu bemühen, ist nicht schwer: reich und arm, urban und ländlich, in und out, hochentwickelt und primitiv, Elite gegen Proletariat.

Wer Hemden trägt, beweist Klasse sowie feines Gespür für Mode und Zeitgeist. Wer einen Vorlesungssaal betritt, kann die Hörer sofort in verschiedene Klassen einteilen. Streber (Hemd), Elite (Hemd), Exzentriker (irgendwas), ewige Studenten (T-Shirt), Phil-1-Nebenfächler (T-Shirt) und weitere Randgruppen, ebenfalls meistens mit Shirt.

T-Shirts symbolisieren Ungepflegtheit und Sorglosigkeit. Das manifestiert sich schon in der Pflege. Während T-Shirts gewaschen und gleich wieder getragen werden, erfordert ein Hemd Pflege. Ohne Bügeleisen läuft nichts. Pflege und Unterhalt sind zivilisatorische Errungenschaften. Hätte es in antiken Zeiten T-Shirts und Hemden gegeben, so hätten die Römer Hemden und die Barbaren T-Shirts getragen.

Der Shirt-Brustbereich ist ein Beispiel für längst ausgeuferte Stillosigkeit. «Ich bin auch ein Modedesigner», mag sich mancher gedacht haben. «Ich bin auch einer der Deppen, die auf der eigenen Brust anderen ungewollte Information aufzwingen», trifft die Sache wohl eher. Für Leute, die zu H&M rennen und stolz mit Shirts rauskommen, deren Bedruck nicht einmal der alternativste Alternative versteht, kann man nur Verachtung übrig haben.

Man muss sich selbst ja verkaufen. Möglichst gut. Und irgendwie muss man seine eigene Überlegenheit im Alltag zeigen. Ein erster Schritt, das nicht zu tun, ist, ein T-Shirt zu tragen.

MM trägt darum Hemd. Und empfiehlt, dies ebenfalls zu tun.